22 Gedanken, als ich das erste Mal „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ geguckt habe

„Wiiieeee, du kennst den nicht?!?“

In der Vorweihnachtszeit kommt man an dem Thema Weihnachtsfilme nicht vorbei. In der Redaktion suchen wir fleißig die Sendetermine der X-Mas-Klassiker in diesem Jahr heraus, auf Netflix, Prime und TVNOW werden uns neue und alte Filme zum Fest vorgeschlagen und beim Mittagessen oder abends auf dem Weihnachtsmarkt erzählt man sich, wer welchen Weihnachtsfilm bereits gesehen hat. Und irgendwann kommt immer dieser Moment, in dem jemand “Drei Haselnüsse für Aschenbrödel” erwähnt und ich kleinlaut die Worte vorbringe, die mehr als alle anderen für Ungläubigkeit und Entrüstung sorgen: “Den hab ich nie gesehen!” Tja, das kann ich jetzt nicht mehr sagen. Allerdings bin ich trotzdem überzeugt, einen anderen Film gesehen zu haben, als die gefühlt unfassbar große Mehrheit, für die Aschenbrödel von Kindheit an zum Weihnachtsfest dazugehört. Und daran will ich Sie nun teilhaben lassen.

Von Katharina Meyer

Warum habe ich „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ eigentlich nie geguckt?

Es ist keineswegs so, das ich Grinch-mäßig etwas gegen Weihnachtsfilme habe – im Gegenteil. Ein Weihnachten ohne “Kevin – Allein zu Haus” (hier die Sendetermine) und  “Tatsächlich… Liebe”  ist für mich unvorstellbar; “Der kleine Lord” (hier die Sendetermine) und “Sissi” (hier die Sendetermine) gucke ich zwar nicht jedes Jahr, kenne ich aber durchaus schon seit meiner Kindheit. Nur Aschenbrödel war irgendwie nie dabei. Meine ältere Schwester hat ihn noch als Kind geguckt. Bei mir ist die Tradition aber nicht mehr angekommen. Und irgendwann war es dann einfach so, dass ich immer mit den Schultern gezuckt habe, wenn es um den Film ging – und vielleicht sogar ein bisschen Gefallen dran gefunden habe, dass ich dadurch fast schon ‘besonders’ bin.

Aber diesen Winter war es endlich soweit, ich habe den Film, der für viele der schönste Weihnachtsfilm aller Zeiten ist, als Erwachsene zum ersten Mal gesehen. Wie ich ihn fand und was ich dabei gedacht habe, verrate ich jetzt!

Meine 22 Gedanken beim Gucken

#1 Ach, da ist ja sofort die Melodie, die gefühlt bei jeder zweiten Hochzeit als Hochzeitstanz gespielt wird – gerne auch in der Ella-Endlich-Schnulzversion. Tja, bei mir hat es ein paar Jahre gedauert, bis ich mitgekriegt habe, dass man die Melodie aus “Aschenbrödel” kennt.

#2 Wie man zeigt, dass es auf einem Märchenhof geschäftig zugeht: Ein Bäcker rennt mit einem Blech voll komischer Kekse durch die Gegend, ein Koch trägt einen Gänsebraten über den Hof (wo wollen die hin? Wo ist ihre Küche?), von dem die fette Stiefmutter einen Schenkel klaut, der dann von einem Hund gemopst wird. Und ein Mensch fegt den Boden. Einfach den Boden, auf dem Erde und Schnee liegen und der weder ein erkennbarer Weg ist noch direkt vor einem Gebäude ist.

#3 Wie man zeigt, dass jemand so unsympathisch wie reich ist: Die Person brüllt, klaut Essen und trägt einen Hut, den man nicht mal seinem schlimmsten Feind auf den Kopf setzen würde. Voilà, die böse Stiefmutter!

#4 Ich frage mich ja immer, warum Märchenfilme sich so oft als Weihnachtsfilme durchsetzen. Bei diesem hier ist es offensichtlich: Es liegt Schnee und das Pferd heißt Nikolaus.

Im Video: Auf den Spuren von Aschenbrödel

(Übrigens handelt es sich bei dem Schnee am Schloss des Prinzen um Kunstschnee aus Fischknochenmehl, wie unsere Reporterin herausgefunden hat, als sie auf den Spuren von Aschenbrödel die Kulissen besucht und Prinz-Darsteller Pavel Travnicek getroffen hat. Was sie dabei noch erlebt hat, sehen Sie im Video)

#5 Wie man zeigt, wer der Held (oder die Heldin) der Geschichte ist: Aschenbrödel opfert sich selbstlos für das Missgeschick des Küchenjungen, redet liebevoll mit diversen Tieren, sieht auch in Lumpenklamotten aus wie ein Engel.

#6 Das ist ja schon sehr nah am Märchen. Aber warum hat die Stiefmutter nur eine Tochter? Fehlte das Budget für die zweite? War der Hut so teuer?

#7 Auftritt: der Märchenprinz. Und wie stellt man sich den anmutigen Jüngling vor, der das Herz unserer Heldin im Sturm erobert: Richtig, mit Pottschnitt und dünnen Beinchen in bunten Strumpfhosen.

#8 Aber wahrscheinlich hat der Märchenprinz einen fabelhaften Charakter, oder? Fehlanzeige, er nennt Aschenbrödel “ein Hühnchen ohne Federn”, will sie betatschen und vermutet gegenüber seinen (noch unsympathischeren) Begleitern “Vielleicht will sie lieber den Po versohlt kriegen?” Geht’s noch? Sagt mir bitte nicht, dass ich den Prinzen irgendwann mögen soll.

#9 Immerhin lässt Aschenbrödel sich das nicht gefallen und zeigt den kleinen Jungs (die sie als kleines Mädchen bezeichnet haben, obwohl sie sich selbst viel unreifer benehmen) wo es langgeht.

#10 Zurück bei der Stiefmutter lernen wir, wie man sich selbst möglichst dreist aber erfolgreich auf eine Party einlädt. Immerhin kann sie etwas!

#11 Stiefmutter zur Tochter: “Na so hässlich bist du doch nicht!” Mutterliebe vom Feinsten.

#12 Hat der König gerade zum Prinzen gesagt, dass er ja schon über 30 sei? Bitte? Wer soll das denn kaufen? Welcher 30-jährige Mann verhält sich denn so unrei… okay, zurückgezogen!

#13 Schwenk zu Aschenbrödel, die sich fragt: “Ich würd so gern wissen, wo ich ihn wiedersehe!” Mooooment… Mag sie diesen Prinzen? Jetzt schon? Nachdem die einzige Interaktion zwischen den beiden irgendwas zwischen herablassend und sexuell belästigend war? Woah.

#14 Ah, der erste Einsatz einer Haselnuss. Und darin ist ein schicker Jagdanzug inklusive Perücke. Also, ich hätte die anderen Nüsse ja auch sofort aufgemacht. Weiß doch jeder, dass man beim Shoppen nicht nur ein Outfit anprobieren sollte…

#15 Und dann wird es plötzlich brutal! Der arme Fuchs! Wo ist Tierflüsterin Aschenbrödel, wenn man sie braucht?

#16 Was? Die knallt einfach selbst Vögel ab. Um einen Jungen zu beeindrucken, der sich wie ein Arsch verhält. Wenn das die Tauben und ihre Eule wüssten!

#17 Da sind die Tauben und helfen ihr wieder – das ist eine Vogelkillerin!

#18 So, der Ball ist da und Aschenbrödel crasht die Party, verdreht dem Prinzen kurz den Kopf und haut dann ab, weil der Holzkopf nicht schnallt, dass er sich grad in das kleine, ungefiederte Hühner-Mädchen und den Jagdbub verknallt.

#19 Und apropos, wie kann man sich denn so schnell verknallen? Wobei Aschenbrödel da ja sogar vorgelegt hat. Worüber ich immer noch erschüttert bin.

#20 Was für eine Schuhgröße hat Aschenbrödel wohl, die sonst keiner anderen Frau auf dem ganzen Hof passt? Wenn ich Schuhe kaufen oder bestellen will, ist meine Größe immer sofort ausverkauft.

#21 Mal so am Rande: Haben Aschenbrödels Eltern sie eigentlich Aschenbrödel genannt? Oder hatte sie einen anderen Namen, den plötzlich alle (sie eingeschlossen) vergessen haben, sobald die Stiefmutter sie zur Magd gemacht hat? Ich brauche Antworten!

#22 So, sie haben sich gefunden, Ende gut, alles gut. Und ohne Gesang ist die Melodie eigentlich ganz erträglich…

Mein Fazit zu „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“

Liebe Aschenbrödel-Fans, bitte steinigt mich nicht für meine zynischen Gedanken! Mir ist schon bewusst, dass es sich um einen Märchenfilm von 1973 handelt und das Frauenbild dafür schon ganz schön weit ist. Aschenbrödel kann besser reiten und schießen als der Prinz und seine Gang, lässt sich nicht von ihnen einschüchtern und besteht darauf, dass er erst checkt, mit wem er es zu tun hat, bevor sie auf seine Avancen eingeht. Das ist super!

Der Prinz fängt als absoluter Idiot an, aber dass er nicht Reißaus nimmt, als Aschenbrödel sich nicht als Prinzessin entpuppt, spricht schon mal für ihn. Auch, dass er ihr den Jagdpreis überlassen hat, gibt ihm einen Pluspunkt. Allerdings: Die einzigen Male, die der Prinz Aschenbrödel anständig behandelt hat, war als sie als Junge verkleidet oder in ein schönes Ballkleid verhüllt war. Ob das so für ihn spricht?

Aber alles in allem kann ich schon verstehen, warum so viele diesen Film lieben. Die Musik und die Kulissen sind märchenhaft und vor allem, wenn man “Drei Haselnüsse für Aschenbrödel” in seiner Kindheit jedes Jahr wieder an Weihnachten geguckt hat, dürfte der Film viele schöne Erinnerungen heraufbeschwören. Dass das bei mir nicht der Fall ist, finde ich fast ein bisschen schade. Aber mir bleibt ja immer noch “Kevin – allein zu Haus”…

Falls Sie jetzt auch Lust auf den Weihnachts-Klassiker bekommen haben, dann schauen Sie schnell bei TVNOW vorbei. Als Premium-Kunde können Sie “Drei Haselnüsse für Aschenbrödel” dort jederzeit streamen.

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