Erst Bauingenieur, dann auch Architekt und Bauleiter

Für Architekt, Bauingenieur und Bauleiter Karl Malin war der Wiederaufbau der Firma Beiser in mehrfacher Hinsicht eine Herausforderung: von der Gesamtplanung über Art und Größe des Projekts über kurzfristige Planänderungen bis hin zur Terminplanung, welche durch Lieferschwierigkeiten diverser Baumaterialen nicht einfach war.

Karl Malin: „Unser Büro war immer wieder in die Planung von Industriebauten involviert, der Beiser-Wiederaufbau war jedoch ein besonderer Auftrag und eine anspruchsvolle Aufgabe.“ Für Malin war die Zusammenarbeit mit der Geschäftsleitung, den Fachplanern und ausführenden Unternehmen durchwegs konstruktiv und zielorientiert: „Aufgrund der großen Erfahrung und Kompetenz der Bauherrschaft wurden wichtige Entscheide rasch getroffen. Dies ist bei einem Bauvorhaben dieser Art wichtig, damit die Bautätigkeit vor Ort nicht ins Stocken gerät.“

Baubewilligung – besonders hohe Anforderungen an einen Galvanik-Betrieb

Für eine rasche Baubewilligung mussten nicht nur die Nachbarn von der sicheren und gesetzeskonformen Bauweise überzeugt werden, sondern auch zahlreiche Vorschriften, Richtlinien und Normen im Bereich Brandschutz, Gewässerschutz, Umwelt und Gewerberecht mussten berücksichtigt werden. Es ging dabei auch um Nischen-themen, wie zum Beispiel den Vogelanprall an große Fensterflächen und das Thema Löschwasserrückhaltekonzept. Alles wurde mit der Unterstützung diverser Fachplaner gelöst.

Das Bemühen um ein optimales Löschwasserrückhaltekonzept hat dazu geführt, dass die gesamte Grundfläche des neu gebauten Erdgeschoßes als dichte Wanne mit örtlichen Löschwasserbarrieren erstellt wurde. Das Brandschutzkonzept der Firma IHW-Ing.-Büro Huber stellt sicher, dass das Löschwasser im Brandfall nicht nach außen dringen kann. Das Grundwasser bleibt geschützt. „Dieses Gebäude ist brandschutztechnisch eines der sichersten in Vorarlberg“, erklärt Karl Malin.

Der Neubau – mehr Sicherheit statt Kapazität

Der 3-geschoßige Neubau mit einem Bauvolumen von ca. 44.000 m3 besteht im Wesentlichen aus drei klar konzipierten, zweigeschoßigen Produktionshallen sowie Lager- und Speditionsflächen im Erdgeschoß. Der Neubau wurde, bedingt durch den erforderlichen Brand- und Lärmschutz, in Massivbauweise ausgeführt, die Dachkonstruktion in Holzbauweise. Brettschichtträger mit einer Spannweite von 14 m überbrücken die jeweils 3 Produktionshallen. Als Tragkonstruktion der Förderer zur Beschickungseinrichtung der zahlreichen Galvanikbäder wurde eine Stahlkonstruktion mit einer Spannweite von ca. 10 m erstellt.
„Eine Besonderheit stellt wohl die Berücksichtigung der bestehenden Fundamente und Bodenplatte der abgebrannten Halle dar. Diese waren intakt und das Ziel war, diese aus terminlichen und wirtschaftlichen Überlegungen wieder zu verwenden. Gemeinsam mit dem Geotechniker haben wir mit Mikropfählen eine Lösung gefunden und so gegenüber einem Abbruch und Neubau der Fundamente Ressourcen, Zeit und Kosten gespart“, erklärt Karl Malin – der Bauingenieur.

Die Firma Beiser Galvanik kann dank diesem Neubau und der neuen Technik zwar ihre Produktivität steigern, aber auf einen Teil des bereits vor dem Brandereignis genehmigten Kapazitätszuwachses hat die Fa. Beiser Galvanik zugunsten von noch mehr Sicherheit und Umweltschutz verzichtet.

Zeit und Rohstoffknappheit

‚Zeit‘ hatte beim Wiederaufbau nicht nur im Hinblick auf das Erreichen des ambitionierten Fertigstellungstermines eine große Bedeutung, sondern auch in Bezug auf die Beschaffung verschiedener Baustoffe. In den letzten Monaten war die Verfügbarkeit diverser Baumaterialien auch auf unserer Baustelle ein großes Thema. Damit der Terminplan und somit das Zusammenspiel der verschiedenen Bauunternehmer nicht gestört wurde, mussten teilweise lange Lieferzeiten bei Bewehrungsstahl, Holzprodukten, Dämmmaterial etc. einkalkuliert werden. Dank großem Einsatz aller Beteiligter kam es aber in keinem Bereich zu Verzögerungen“,
erklärt Karl Malin.

Der Altbestand – Aufstockung, Anpassung und Ertüchtigung

Es ging die letzten Monate aber nicht nur um neue Gebäude, auch beim Bestand wurden umfangreiche Zu- und Umbauten realisiert. Das Bürogebäude wurde um ein Geschoß aufgestockt und damit Raumreserven für die Zukunft geschaffen. Im Haupttreppenhaus wurde für die Belegschaft ein Personenlift eingebaut. Die Lüftungszentrale wurde ebenfalls erneuert und die Modernisierung des Bestandes ist in Planung.

Resümee

Rückblickend war es eine spannende, herausfordernde Zeit als Architekt, Bauingenieur und Bauleiter. „Jürgen Beiser war in dieser Zeit nicht nur ‚Bauherr‘, sondern stets auch ein kompetenter, fairer Entscheidungsträger“, stellt Karl Malin fest. „Er hat die Planungsziele klar formuliert und mit seinem Fachwissen – auch was Baustellen anbelangt – maßgeblich dazu beigetragen, dass der Wiederaufbau nach nur zwei Jahren abgeschlossen werden konnte!“

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