Heinz Rudolf Kunze: ‘Schlechter als unter Trump kann es nicht werden’

Heinz Rudolf Kunze (63, “Der Wahrheit die Ehre”) hat den Corona-Sommer 2020 damit verbracht, ein neues Album aufzunehmen: “Wie der Name schon sagt – Solo live”, ein Doppelalbum mit 35 Songs und Texten, erscheint am Freitag (13. November). Als einer der wichtigsten politischen Songwriter Deutschlands lässt ihn auch die Lage in den USA nicht kalt. Im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news verrät er, welche Themen ihn umtreiben, wie es ihm in der Corona-Krise geht und welche Zukunft er der USA unter dem künftigen US-Präsidenten Joe Biden (77) voraussagt.

Auf was können sich Ihre Fans bei dem neuen Album besonders freuen?

Heinz Rudolf Kunze: Auf eine, wie ich glaube, ziemlich einmalige Darbietung, weil es eine Mischung aus musikalischer und literarischer Performance ist. Das Album wurde ja im Sommer 2020 aufgezeichnet, zur Corona-Zeit, und ich war einer der wenigen Künstler, die auftreten durften.

Seitdem hat sich in der Welt einiges verändert. Wie blicken Sie auf den Sommer 2020 zurück?

Kunze: Mit einer Mischung aus Dankbarkeit für die paar Auftritte, die man Solo machen durfte unter erschwerten Umständen, und Traurigkeit über die vielen anderen Auftritte, die ausgefallen sind. Wir konnten von dem, was wir vorhatten in diesem Jahr, und das war sehr viel, live ja nicht mal zehn Prozent retten.

Wie ist es für Sie, ganz für sich allein auch mal ohne Band zu singen?

Kunze: Ja, das ist toll, der ganze Beifall nur für mich. (lacht)

Ihre Texte sind oft politisch. Welche Themen liegen Ihnen dabei selbst am Herzen?

Kunze: Mich beschäftigen die Themen, die uns alle beschäftigen, wenn wir einigermaßen wachen Sinnes durch unser Leben gehen. Sowohl die deutsche Politik als auch die Weltpolitik, da bin ich ein ganz normaler Mensch und habe keine anderen Vorlieben als jeder nachdenkende Zeitgenosse. Und natürlich sollte man es als Person des öffentlichen Lebens, aber auch als jeder andere Bürger dieses Landes als seine Aufgabe sehen, für bestimmte Dinge einzustehen.

Sie sind bekannt für Ihre unzähligen Konzerte und sind normalerweise ständig unterwegs. Wie geht es Ihnen damit, durch die Corona-Pandemie nicht auftreten zu können?

Kunze: Ich lebe ohnehin eigentlich sehr zurückgezogen. Ich bin ein Mensch, der das Eremitendasein eigentlich sehr zu schätzen weiß. Ich bin gerne zu Hause, lese viel, höre viel Musik und schreibe viel. Insofern hat sich an meinem Privatleben weniger geändert als bei manch anderen vielleicht. Aber es macht natürlich weniger Spaß, wenn man das muss und nicht darf. Wenn das so über uns verhängt wird, dass wir nicht rausdürfen, uns nicht mit anderen Menschen begegnen dürfen und dass wir Konzerte nicht spielen dürfen. Dann ist einem doch ein ganz riesiges Stück Bewegungsfreiheit genommen und dann machen die Dinge nicht mehr so viele Freude, die man sonst gerne tut.

In Ihrem Podcast “Durch die Brille gefragt” laden Sie sich immer wieder bekannte Gäste ein. Mit wem hatten Sie das bisher interessanteste Gespräch?

Kunze: Das ist schwer zu sagen. Es waren so verschiedene Menschen, dass da jeder etwas ganz Eigenes eingebracht hat. Ich versuche, dass alle meine Gesprächspartner gut aussehen. Ich will sie nicht in die Pfanne hauen, ich will sie nicht lächerlich machen oder konfrontierend journalistisch angehen, sondern ich möchte, dass sie so viel wie möglich freiwillig von ihrem Leben erzählen. Und das hat bisher bei jedem gut geklappt.

Sie begehen bald Ihr 40. Bühnenjubiläum. Wie blicken Sie auf Ihre Karriere zurück?

Kunze: (schmunzelt) Fassungslos. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass es schon so lange ist.

Wie beurteilen Sie die letzten vier Jahre unter Donald Trump?

Kunze: Donald Trump ist der Feind der Demokratie, der Feind der Menschheit und der Feind der amerikanischen Idee und hat alles versucht, sein Land zu zerstören.

Was halten Sie davon, dass Donald Trump Bidens Wahlsieg nicht anerkennen will?

Kunze: Es passt zur Psyche eines Dreijährigen.

Wie wird es für die USA Ihrer Meinung nach unter Joe Biden weitergehen?

Kunze: Ich bin ein geübter und erprobter Pessimist. Ich erwarte mir nicht zu viel, nur schlechter als unter Trump kann es nicht werden. Also es kann nur besser werden. Ich weiß allerdings nicht, ob Joe Biden unter dieser Kontroverse einen guten Job machen kann und in der Lage sein wird, den Riss zu heilen, der durch Amerika geht. Immerhin haben auch extrem viele Menschen Trump gewählt, das darf man nicht vergessen. Amerika wird auf Dauer mit sich selbst beschäftigt sein und weltpolitisch wohl nicht sehr zuverlässig.

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