Kritik von Konsumentenschützern: Kaum Geld zurück bei Flugbuchungen

Wer bei Unternehmen wie Opodo, Expedia & Co Flüge gebucht hat, die aufgrund derPandemie storniert wurden, hat es nun sehr schwer, an sein Geld zukommen. Bei Konsumentenschützern türmen sich Beschwerden.

“Jetzt hat mandie Schwachstelle der Vermittler gesehen. Diese Firmen haben schlichtund einfach kein Kundenservice. Leute waren zum Teil sechs Stunden inWarteschleifen”, sagte Jurist Reinhold Schranz zur APA.

Hunderte Beschwerden von Konsumenten gegen Opodo und Co.

Schranz arbeitet beim Europäischen Verbraucherzentrum Österreich, dasim Verein für Konsumenteninformation (VKI) angesiedelt ist. Allein überdie Buchungsplattform Opodo gebe es Hunderte Beschwerden vonKonsumenten. Aber auch andere Vermittler wie Expedia, Flüge.de oderFlugladen sind den Verbraucherschützern ein Dorn im Auge. Konsumenten,die über sie gebucht haben, werden nun im Kreis geschickt. Die Airlinesverweisen auf die Vermittler, die Vermittler spielen den Ball zurück andie Fluglinien.

Hohe Barbeitungsgebühren – rechtlich unzulässig

“Es ist mühsam sondergleichen”, sagte Schranz. Wenn die Onlineplattformen doch zahlen, würden zum Teil hohe Bearbeitungsgebühren verrechnet. Der Jurist hält solche Gebühren für rechtlich unzulässig, zumal sie bei der Buchung nicht erwähnt wurden. “Da fehlt die Transparenz”, so Schranz. Gerade bearbeite er einen Fall, wo einem Verbraucher nur ein Teil des Flugpreises rückerstattet wurde und die Plattform 120 Euro einbehielt, erzählte Schranz.

Fluglinien verstießen sämtlich gegen EU-Recht

NachEU-Recht sind Fluggesellschaften bei von ihnen veranlasstenStornierungen zur Rückzahlung des Ticketpreises innerhalb von siebenTagen verpflichtet. Keine einzige Fluglinie habe sich daran gehalten,sagte Schranz. Angesichts des Ausmaßes der Coronakrise sei dasverständlich, allerdings würden viele Fluglinien (darunter Iberia, KLM,Ryanair, Vueling) nach wie vor mit Rückerstattungen auf sich wartenlassen. Rechtlich sieht Schranz die Fluglinien in der Pflicht.

Konsumenten, die immer noch auf ihr Geld warten, rät der Jurist, sich an die Kreditkartenfirma zu wenden. Wer seinen stornierten Flug mit Kreditkarte gebucht hat, hat so eine reale Chance, an sein Geld zu kommen. Unter dem Titel “Chargeback” gewähren viele Kreditkartenfirmen ihren Kunden quasi eine “Einspruchsfrist” gegen bereits erfolgte Abbuchungen, wenn die Leistungen nicht in Anspruch genommen wurden. Auch Verbraucher, die über den Online-Bezahldienst Paypal gezahlt haben, hätten gute Chancen, wenn sie direkt bei Paypal einen Antrag auf Käuferschutz stellten.

Flug storniert: Was Konsumenten tun können

Wenn das ausscheidet, können sich Konsumenten an diverse Verbraucherschutzeinrichtungen wenden oder selbst klagen. “Da muss man abwägen, ob einem der Aufwand wert ist. Man riskiert eine Klagegebühr”, räumte Schranz ein. Die Arbeiterkammer erreichte kürzlich erst nach einer Klage gegen die niederländische Fluglinie KLM eine Rückzahlung. “Nach Klagseinbringung teilte die Airline mit, dass sie zahlen werde. Mitte August war das Geld da”, schilderte Bettina Schrittwieser, Leiterin des AK-Konsumentenschutzes, in einer Aussendung.

DieArbeiterkammer bereitet Klagen unter anderem gegen die Lufthansa,Ryanair, Eurowings, Emirates oder Turkish Airlines vor. Sie alle hättenFlüge annulliert und zahlten nun die Ticketkosten nicht zurück. Auch dieAK-Juristen sehen die Fluglinien zur Zahlung verpflichtet. Schranz vomEuropäischen Verbraucherzentrum versteht den Ärger vieler Konsumenten.”Die sind ja keine Bank der Fluglinien, die zinslose Kredite gewähren.”

(APA/Red)

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