Macht ein minimalistisches Leben glücklicher? Studien sagen Ja

In unserer unsicheren und schnelllebigen Zeit sehnen sich viele Menschen nach einem anderen, einem einfacheren Leben. Da überrascht es kaum, dass Minimalismus in den vergangenen Jahren zu einer großen Bewegung geworden ist. Es geht um die Reduktion auf das Wesentliche, auf die Dinge, die man wirklich braucht. Und darum, sich bewusst gegen das "Höher, schneller, weiter" zu stellen, das als ungeschriebener Leitsatz der modernen Gesellschaft gilt.

Minimalistisches Leben ist eine klare Antithese zum konsumorientierten Kapitalismus des 21. Jahrhunderts. Viele Menschen stellen sich – und der Welt – die Frage: Brauchen wir wirklich immer mehr? Müssen es ständiger Konsum und Überfluss sein? Oder können wir uns auf ein einfacheres, aber erfüllendes Leben (zurück-)besinnen?

Studien bestätigen: Minimalismus macht zufriedener

Viele Forschende sind diesen Fragen ebenfalls schon nachgegangen. Nun hat das "Journal of Positive Psychology" eine Meta-Analyse von 23 Studien zum Thema Minimalismus und Wohlbefinden veröffentlicht. Und das Team um Joshua Hook von der University of North Texas bestätigt tatsächlich: Ein minimalistisches Leben macht glücklicher. Mehr als 80 Prozent der Studien konnten eine positive Verbindung zwischen einem bewusst einfachen Leben und mehr Wohlbefinden nachweisen. Das konnten sowohl quantitative Untersuchungen als auch solche mit einer qualitativen Wertung, also etwa Interviews, bestätigen.

Die Forschenden führen diesen Zusammenhang vor allem darauf zurück, dass Minimalist:innen ihr Konsumverlangen besser kontrollieren können als andere. Stattdessen beschäftigen sie sich mehr mit ihren psychologischen Bedürfnissen, vor allem solchen, die zur Persönlichkeitsentwicklung beitragen, also Themen wie Unabhängigkeit und Kompetenz.

Aber: Menschen mit hohem Einkommen macht ein minimalistisches Leben nicht unbedingt glücklicher

Eine weitere Erkenntnis der Meta-Analyse ist allerdings, dass dieser deutliche Zusammenhang zwischen Minimalismus und hoher Lebenszufriedenheit sich vor allem bei Personen mit bescheidenen finanziellen Mitteln zeigt. Menschen mit mehr Geld dagegen sind mit einem einfachen Leben nicht unbedingt glücklicher.

Das könnte damit zusammenhängen, dass diese Personen sich durch ihr höheres Einkommen und die ihnen zur Verfügung stehenden Mittel schneller an einen gewissen Lebensstandard gewöhnt haben. Deshalb fällt es ihnen schwerer, sich mit weniger Konsum und Wachstum zufriedenzugeben.

Weniger ist mehr – der einfache Weg zum Glück?

"Ich denke, diese Forschungsergebnisse wirken der generellen Tendenz unserer Gesellschaft, immer mehr zu wollen, entgegen", so Joshua Hook. "Es ist eine der größten Lügen unserer Zeit, dass wir einfach mehr Geld, mehr materiellen Besitz und überhaupt mehr brauchen, um glücklich zu sein. Stattdessen sollten wir andere Wege suchen, um unsere Zufriedenheit zu erhöhen – und einfacher zu leben könnte etwas sein, das es sich auszuprobieren lohnt."

Es gibt viele Formen und Stufen von Minimalismus. Für einige mag ein Leben in einer simplen Waldhütte à la Henry David Thoreau der einzig wahre Weg zum Glück sein. Für andere dürfen es nur maximal 100 Dinge sein, die sie besitzen. Aber vielleicht kann es auch schon reichen, gelegentlich innezuhalten und sich die Frage zu stellen, was man wirklich braucht.

Das kann die verschiedensten Lebensentscheidungen betreffen – etwa eine größere Wohnung, ein neues Auto oder eine weitere Handtasche. Vorher sollten wir sicherstellen, dass auch wirklich unsere individuellen Bedürfnisse hinter dem Kauf oder der Veränderung stehen. Denn sehr oft ist es der Druck unserer auf Leistung und Wachstum getrimmten Gesellschaft, die uns vorgaukelt, dass wir immer mehr, immer Größeres brauchen. Wenn wir es schaffen, etwas achtsamer im Umgang mit Konsum zu sein, schont das nicht nur den Planeten, sondern kann uns auch nachhaltig zufriedener und glücklicher machen.

Verwendete Quellen: Journal of Positive Psychology, Psychologie Today

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