So scheffelte Putins Freund wohl illegal Millionen

Hat sich Waleri Gergijew an Spenden bereichert? Neue Recherchen über den Russen zeichnen das Bild eines geldgierigen Mannes, der von Putins Nähe profitiert.

Seine Putin-Nähe kostete ihn lukrative Jobs in München, New York und Mailand. Kurz nach Kriegsausbruch in der Ukraine verlor Waleri Gergijew sein Engagement als Chefdirigent an der Bayerischen Staatsoper, der Metropolitan Opera und der Mailänder Scala. Doch aus den Schlagzeilen verschwand der russische Starmusiker nicht. Ganz im Gegenteil. 

Neue Enthüllungen des Rechercheteams um Alexei Nawalny haben aufgedeckt, welch enormes Vermögen der 68-Jährige in den vergangenen Jahren angehäuft hat. Für einen Dirigenten hat Gergijew erstaunlich viele Besitztümer, darunter Luxusimmobilien in New York, Mailand und Venedig. 


Die Investigativjournalistin Maria Pevchikh verbreitete entsprechende Nachweise und einen umfassenden Bericht unter anderem via Twitter. In einem YouTube-Video des Nawalny-Teams werden erstmals detailliert Quittungen, Urkunden und Grundbuchauszüge Gergijews offengelegt. Demnach erbte der Russe den Großteil seiner Immobilien von der 2015 verstorbenen Künstlerin und Mäzenin Yoko Nagae.

Lange Liste an Luxusimmobilien

Laut Pevchikh ist vor allem der Besitz eines 165 Quadratmeter großen Penthouse auf der 56. Etage des Lincoln Centers in New York problematisch. Denn die Immobilie habe er russischen Behörden verschwiegen, obwohl er verpflichtet sei, ausländischen Immobilienbesitz offenzulegen. Ob ihm seine enge Freundschaft zu Kremlchef Wladimir Putin bei der Verschleierung hilft oder ihm deshalb sogar keine Konsequenzen drohen, ist unklar.

Doch die Liste an kostspieligem Immobilienbesitz ist vor allem mit Blick auf Italien erstaunlich. Dort sollen dem Dirigenten Häuser und Grundstücke im Schätzwert von 100 Millionen Euro gehören. Der prachtvolle Palazzo Barbarigo aus dem 16. Jahrhundert direkt am Canal Grande in Venedig sei darunter. 

Gergijews 4,3-Millionen-Dollar-Spende 

Jetzt kommt durch die neuen Recherchen heraus: Womöglich hat sich Waleri Gergijew Millionen erschlichen – über Spenden. Dem Bericht zufolge habe er sich als Chef seiner eigenen Wohltätigkeitsstiftung zwischen 2018 und 2020 selbst ein Gehalt von 4,3 Millionen Dollar spendiert. Seine Waleri-Gergijew-Charitable-Foundation wird unter anderem von Staatsbanken wie der Gazprombank, VTB Bank und Rosneft finanziert. Außerdem seien russische Oligarchen beteiligt. 

Offiziell angegebene Stiftungszwecke sind die Unterstützung junger Künstler und die Popularisierung klassischer Musik. Wie aus den Veröffentlichungen von Maria Pevchikh hervorgeht, handele es sich allerdings mindestens ebenso sehr um eine Geldwaschanlage, die sich mit dem Chartern von Flugzeugen und dem Erwerb von Immobilien befasst. Zig Apartments in Moskau und Sankt Petersburg sowie eine Datscha mit eigenem Konzertsaal: All das soll aus Mitteln der Stiftung finanziert worden sein.

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Niederlande spielen besondere Rolle im Fall Gergijew

Stück für Stück enthüllen Pevchikh und ihr Team weitere Auffälligkeiten. Der neueste Skandal: Gergijew ist offenbar im Besitz der niederländischen Staatsbürgerschaft – und damit EU-Bürger. Mehr noch: Der Russe soll von der inzwischen ehemaligen Königin Beatrix zum Ritter des Ordens vom Niederländischen Löwen ernannt worden sein.

Wann diese Ehrung zurückgenommen wird? Völlig unklar. Ebenso wie die Frage nach den Sanktionen. Denn mit Gergijews Verbindung zu den Niederlanden wäre es ein Leichtes für das Land, ihn auf die Sanktionslisten der Europäischen Union setzen zu lassen. Dann wären auch seine Immobilien in Italien in Gefahr.

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