Verbesserung der Konjunktur, aber auch Probleme mit dem Coronavirus

DerUniCredit Bank Austria EinkaufsManagerIndex im Februar zeigt eine Verbesserungder Industriekonjunktur in Österreich. Aber auch Folgen der Verbreitung desCoronavirus (COVID-19) sind sichtbar.

  • DerEinkaufsManagerIndex kletterte im Februar auf 50,2 Punkte und überstieg damiterstmals seit einem Jahr wieder die Wachstumsschwelle.
  • Esgibt eine erstmalige Ausweitung der Produktions­leistung seit zehn Monaten.
  • DieIndustrie schafft wieder zusätzliche Jobs.
  • Aberder Rückgang des Neugeschäfts und abrupt gestiegene Lieferzeiten deuten aufbeginnende Probleme in der globalen Wertschöpfungskette hin.
  • Produktionserwartungenauf Jahresfrist steigen auf höchsten Wert seit 20 Monaten, wirtschaftlicheFolgen der Verbreitung des Coronavirus (COVID-19) sind dabei aber noch nichtvoll abgedeckt.

Die Verbesserungstendenz der österreichischen Industrie istim europäischen Vergleich überdurchschnittlich stark. Während die heimischeIndustrie knapp die Wachstumsschwelle überschritten hat, konnte in der Eurozoneim Februar nur eine erneute Abschwächung des Produk­tionsrückgangs verzeichnetwerden.

Verbesserungder Konjunktur

„Der aktuelle EinkaufsManagerIndex und seine europäischenPendants zeigen eine Verbesserung der Industriekonjunktur. Im Februar ist inÖsterreich die Produktions­leis­tung spürbar ausgeweitet worden. Daher sindwieder neue Jobs entstanden. Der Rückgang des Neugeschäfts hat sich jedochbeschleunigt und die abrupt gestiegenen Lieferzeiten deuten auf erste Problemein der globalen Wertschöpfungskette, bedingt durch das Coronavirus, hin“, meintStefan Bruckbauer, Bank Austria Chefökonom.

Neugeschäftgeht zurück

Nach positiven Signalen einer Belebung des globalen Handels,die sich zu Jahresbeginn sogar in einem erstmaligen Anstieg der Exportaufträgeder österreichischen Industrie seit fast eineinhalb Jahren niederschlug, sinktdas Neugeschäft aus dem In- und Ausland nun wieder. „Die Nachfrage nachheimischen Industrieerzeugnissen hat im Februar erneut nachgelassen. DerAuftragsrückgang fiel sogar stärker als im Vormonat aus, da der Rückenwind vomExportgeschäft mittlerweile wieder abebbt.

Gestützt auf die Verbesserung der Nachfrage in denVormonaten haben die heimischen Betriebe die Produktionsleistung im Februarjedoch spürbar erhöht. Der Produktionsindex kletterte auf 51,5 Punkte“, sagtUniCredit-Bank- Austria-Ökonom Walter Pudschedl. Erstmals seit April 2019 habendie Betriebe in Österreich die Produktionsleistung im Monatsvergleich wiederausgeweitet. Dennoch haben sich erstmals seit einem Jahr die Auftragsrückständewieder erhöht, was eine zuvor zu starke An­passung der Produktionskapazitätenan die schwächere Nachfrage andeutet.

MehrPersonalkapazitäten

Mit der Ausweitung der Produktion im Februar haben dieheimischen Betriebe auch erstmals seit Juli 2019 ihre Personalkapazitätenwieder etwas erhöht.

„Während die Ausweitung der Produktion und derBeschäftigungsaufbau im Februar vorerst eine weitere Verbesserung derIndustriekonjunktur andeuten, setzen die heimischen Betriebe unverändert aufein sehr vorsichtiges Lagermanagement und nutzen die erneut gesunkenenEinkaufspreise nur sehr zurückhaltend für die Befüllung der Lager.

Vertrauenfehlt noch

Der aktuelle Geschäftsgang der heimischen Industrie zeigtzwar bislang keine negativen Einflüsse durch den Ausbruch von COVID-19, dasVertrauen in einen nachhaltigen Aufschwung scheint jedoch nicht gegeben zu sein“, meint Pudschedl.

Wenn auch das Tempo des Rückgangs erheblich abnahm, habendie Betriebe die Einkaufsmenge im Februar erneut verringert. Die Bestände anVormaterialien und Rohstoffen wurden beinahe gleich stark wie im Vormonatreduziert. Mittlerweile wurden die Lagerbestände bereits den zehnten Monat inFolge aus Kostengründen verringert, obwohl die Einkaufspreise durch diebegrenzte Nachfrage auf den Weltmärkten erneut stark gesunken sind. Da sichhingegen der Rückgang der Verkaufspreise stark einbremste, entlasten dieaktuellen Preistrends im Februar im Durchschnitt die Ertrags­lage derheimischen Unternehmen.

Bisher scheint die heimische Industriekonjunktur nicht vonden Auswirkungen der Verbreitung des Coronavirus in China betroffen zu sein.
Die Umfrageergebnisse im Detail zeigen aber: Die Hälfte der ausgewiesenenVerbesserung des Indikators war auf eine echte Belebung der Aktivitätzurückzuführen, während die andere Hälfte eine Folge der Verlängerung derLieferzeiten war.

In der Regel werden längere Lieferzeiten stets als Anzeichenfür eine zu langsame Anpassung an eine deutlich gestiegene Nachfrageinterpretiert. Derzeit dürften die längeren Lieferzeiten allerdings auf Störungenin den globalen Wertschöpfungsketten infolge wirtschaftlicher Probleme durchdie Verbreitung des Coronavirus hinweisen.  

Die abrupt gestiegenenLieferzeiten deuten auf erste Probleme in der globalen Wertschöpfungskettedurch das Coronavirus hin. Stefan Bruckbauer, Chefökonom Bank Austria

Die heimischen Betriebe setzen unverändert auf ein sehr vorsichtiges Lagermanagement. Dies trotz gesunkener Einkaufspreise.  Walter Pudschedl, Bank Austria Ökonom

Mehr zum Thema

Quelle: Lesen Sie Vollen Artikel