Editors heizten im Wiener Gasometer ordentlich ein

Am Montagabend zeigte die britische Band Editors im Wiener Gasometer ihr Können, und heizte dem Publikum ordentlich ein.

Der Wandel war ihnen schon bisher in die musikalische DNA eingeschrieben: Die britische Band Editors sicherte sich Anfang der 2000er-Jahre zunächst einen Fixplatz im grassierenden Postpunk-Revival, bevor sich zusehends ein elektronischer, dabei durchaus poppiger Ausdruck einschlich. Mittlerweile ist die Gruppe um Ausnahmesänger Tom Smith im Club angekommen und setzt auf pulsierende Beats. Das bewies man auch Montagabend im Wiener Gasometer.

1.700 Editor-Fans im Wiener Gasometer

Rund 1.700 Fans waren ins Wiener Gasometer gekommen, um der neuesten Inkarnation der Editorsbeizuwohnen. Diese hat ihren Ursprung auch in der 2018 erstmalserfolgten Zusammenarbeit mit Elektronikkapazunder Blanck Mass aliasBenjamin John Power. Er hat damals diePlatte „Violence“ mitproduziert und ist mittlerweile zum fixenBandmitglied aufgestiegen. Das zeigt sich einerseits im Titel der neuenPlatte „EBM“ (steht für Electronic Body Music ebenso wie für Editors Blanck Mass), andererseits in deren Sound: Von der ersten Sekunde an breitet sich hier ein dichter Klangteppich aus, bei dem die flirrenden Indie-Gitarren nur ein Element unter vielen sind.

Reduzierte Lichtshwo sorgte im Wiener Gasometer für stimmige Atmosphäre

Wersich fragte, ob dieser vielleicht extremste Bruch in der bisherigenKarriere auch live so konsequent umgesetzt wird, musste nicht langewarten: Das Eröffnungsdoppel „Heart Attack“ und „Strawberry Lemonade“machte im Wiener Gasometer kurzen Prozess mit allen Zweiflern und erzeugteeinen Sog, dem man sich kaum widersetzen konnte. Schicht um Schichttürmte das Sextett – neben Smith und Power aktuell bestehend aus RussellLeetch (Bass), Ed Lay (Schlagzeug), Justin Lockey (Gitarre) und ElliottWilliams (Keyboards) – seine Klänge auf, nisteten sich in der feinausgeklügelten Rhythmik die Ohrwurmmelodien ein und sorgte die reduzierte Lichtshow für eine stimmige Atmosphäre.

© APA/EVA MANHART

Editors heizten im Wiener Gasometer ein

Es war beeindruckend, wie vor allem im ersten Konzertdrittel die neuen Stücke „Karma Climb“ oder „Picturesque“ ihre Hitqualitäten offenbarten und noch eine Spur direkter als auf Platte um die Ohren flogen, während das elegisch-eigenwillige „In This Light and on This Evening“ oder das in Richtung Stadiongeste schielende „Sugar“ die komplette Bandbreite der Gruppe deutlich machte. Das Publikum um den Finger wickeln? Sowieso kein Problem für den ewig zappelnden Smith, der immer wieder über die Bühne fegte, nur um im richtigen Moment den Weg zu seinem Mikrofon zu finden, während sich im Hintergrund der zentral platzierte Drummer Lay besonders an den neuen Songs und ihrer nach vorne preschenden Art abarbeitete.

Welchen Weg man wirklich gekommen ist, zeigten nicht zuletzt die Glanztaten vergangener Tage. „Smokers Outside the Hospital Doors“ mit seiner für Indie-Verhältnisse geradezu klassischen Instrumentierung und ebensolchen Struktur wirkte wie aus der Zeit gefallen – ein Beispiel dafür, wie schnell sich Trends abnutzen. Auch die Frage, ob man eine typische Singer-Songwriter-Darbietung von Smith bei „Nothing“ und das direkt folgende, elektropoppige „All the Kings“ in dieser Kombination braucht, muss wohl jeder und jede für sich selbst beantworten. Andererseits: Wieso diese Geschmäcker außen vor lassen, wenn die Songs an sich doch gut funktionieren?

22 Stücke in zwei Stunden im Wiener Gasometer

Im Endeffekt bewies der dichte Songreigen – in knapp zwei Stunden wurden immerhin 22 Stücke im Wiener Gasometer geboten, die den Protagonisten nur wenig Zeit zum Durchatmen ließen -, dass man sich vor Veränderungen nicht verschließen sollte. Zwar mag die klangliche Orientierung an 80er-Jahre-Clubmusik wie auf „EBM“ zunächst wie ein Rückschritt erscheinen, aber eigentlich haben die Editors nur einweiteres Mal ihrer Neugier freien Lauf gelassen. Dass dabei aufFavoriten wie „Munich“ oder „An End Has a Start“ nicht vergessen wird,versteht sich zwar von selbst. Aber es war diesmal dann doch das neueOutfit für den Dancefloor, das dem Sextett am besten stand. Dieser Reisezurück in die Zukunft folgt man immer wieder gerne.

(APA/Red)

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