Eurovision Song Contest: Alex Diehl: Corona-Krise war "wie ein Schlag ins Gesicht"

Die Corona-Pandemie trifft Sänger Alex Diehl hart. Finanziell ist die Krise für ihn ein “Desaster”, wie er im Interview erzählt.

Vier Jahre nach seinem letzten Album kommt neue Musik von Alex Diehl (32): Am Freitag (4. September) veröffentlicht er den neuen Longplayer “Laut”, der mit emotionalen und ehrlichen Songs aufwartet. Ehrliche Worte findet Alex Diehl auch im Gespräch mit der Nachrichtenagentur spot on news. “Bis Ende des Jahres ohne Einkommen überlebe ich diese Situation finanziell nicht”, erklärt er. Im Interview verrät er, wie hart ihn die Corona-Krise trifft, warum er sich von der Politik im Stich gelassen fühlt und was er von der Absage des Eurovision Song Contests in diesem Jahr hält.

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Ihr neues Album trägt den Titel “Laut”. Sie sind eigentlich eher als ruhiger Typ bekannt, auf dem Cover sieht man Sie allerdings schreien. Wie weit muss es kommen, damit Sie laut werden?

Alex Diehl: Eigentlich gar nicht weit. In diesen Zeiten ist es zwar wichtig, besonnen zu sein, jedoch mit der richtigen Lautstärke. Politisch gesehen stehen wir extremen Zeiten gegenüber. Sei es ein Donald Trump, der jeden Tag einen neuen Unsinn von der Leine lässt, der Klimawandel, der still und heimlich dem Coronavirus Platz machen muss – zumindest, was die mediale Präsenz angeht, oder rechte Gesinnung, die sich heutzutage zu einfachen Gemütern an die Stammtische bis hin in den Bundestag zieht. Ich möchte auf keinen Fall leise sein und dazu schweigen. Ich bin eigentlich ein pessimistischer Mensch, der in diesen Zeiten seinem Pessimismus keine Chance mehr geben möchte und mit diesem Album zu mehr Herz und Verstand aufschreit. Deshalb auch das schreiende Gesicht auf dem Album-Cover.

Ihr Album “Laut” sollte eigentlich bereits im Mai erscheinen, Corona-bedingt musste es allerdings verschoben werden. Auch große Konzerte können derzeit nicht stattfinden. Wie traurig sind Sie darüber?

Diehl: Traurig ist wohl eher das falsche Wort dafür. Ich bin ein Stück weit sogar wütend, wie meine ganze Live-Branche von der Politik im Stich gelassen wird. Ich habe vollstes Verständnis dafür, dass wir alle auf uns aufpassen müssen und Konzerte nur in kleiner Form und unter strengen Auflagen stattfinden können und müssen. Was mich aber dabei stört, ist, dass wir Künstler und alle, die um uns herum einen tollen Job machen, einfach vergessen werden.

VW, Lufthansa und Co. wird sofort in Milliardenhöhe geholfen und die Veranstaltungsbranche soll selbst sehen, wo sie bleibt. Berufsverbot braucht dann halt anderweitig Hilfe. Eine monatliche Ausfallzahlung oder Grundsicherung, um diese Zeit überleben zu können, wären da eine sinnvolle Alternative. Konzerte und andere Großveranstaltungen werden wohl am längsten ausfallen und daran hängen hunderttausende Arbeitsplätze. Wir brauchen Hilfe – jetzt!

Wie haben Sie Ihre freie Zeit in der Corona-Krise genutzt?

Diehl: Anfangs fand ich die viele Freizeit ja ganz charmant. Ich habe Dinge in meinem Zuhause erledigt, die immer auf der langen Bank lagen, meine Hobbys ausgelebt und mir viele Filme reingezogen, die ich immer schon mal sehen wollte. Man sollte ja eh zu Hause bleiben, warum also die Zeit nicht auch ein wenig genießen. Aber nach ein paar Wochen fiel mir schon die Decke auf den Kopf.

Ich hab’ leider meinen Rhythmus ein wenig verloren und schlief dann viel zu lange und habe angefangen, Kleinigkeiten nicht mehr zu erledigen. Geht auch alles morgen, da eh nichts los ist. Meine Branche schläft ja fast komplett wegen des Berufsverbots. Ich habe wieder angefangen, mir den Wecker zu stellen, dann erst mal Frühsport und ab ins Tonstudio. Einfach machen, sonst rostet man ein. Ich kann den Tag schon nicht mehr erwarten, an dem ich wieder auf die Straße darf und die Bühnen der Republik – meine Wohnzimmer – besuchen kann.

Für viele Musiker ist die Corona-Krise eine große finanzielle Belastung. Wie geht es Ihnen damit?

Diehl: Es ist ein Desaster. Ich verdiene seit Mitte Februar keinen Cent. Da ich erst im September 2019 eine eigene Plattenfirma gegründet habe und dort alles Ersparte reingesteckt habe, um mein neues Album “Laut” maximal supporten zu können, kam Corona für mich wie ein Schlag ins Gesicht. Ich habe einen Label-Service in Berlin, ein Promotion-Team, Musiker und Crew, die bezahlt werden müssen. Ich gebe mein Bestes und lebe selbst auf absoluter Sparflamme, um alles bewerkstelligen zu können. Bis Ende des Jahres ohne Einkommen überlebe ich diese Situation finanziell nicht.

Sie sind ein großer Fan des Eurovision Song Contest und wurden 2016 beim ESC-Vorentscheid Zweiter. Wie traurig waren Sie darüber, dass der ESC in diesem Jahr nicht stattfinden konnte?

Diehl: Corona kommt, Corona geht. Der ESC wird wiederkommen und ich freue mich darauf. Ich würde mir noch viel mehr solcher Events wünschen. Ich finde den friedlichen, musikalischen Wettbewerb verschiedener Nationen, eine Song-WM, einen wundervollen Gedanken. Man lernt Musik aus aller Welt kennen und wird jedes Jahr aufs Neue überrascht, was man aus welchem Land geboten bekommt. Ähnlich wie beim Fußball würde ich es mir auch für die Musik wünschen. Das wäre auch politisch eine tolle Aktion, wenn die Welt alle paar Jahre zur Kunst zusammenfindet.

Was halten Sie davon, dass 2021 nur neue Songs präsentiert werden dürfen und die Beiträge von diesem Jahr somit nicht mehr ins Rennen gehen können?

Diehl: Irgendwie unfair gegenüber den Künstlern, die ihre Chance auf der großen Bühne verdient hätten. Ich finde es schade, wenn man ihnen die Gelegenheit nimmt. Das tut mir sehr leid. Vielleicht findet das ein oder andere Land ja eine faire Lösung, um ihren Kandidaten trotzdem noch zu supporten.

Unter Einhaltung aktueller Corona-Hygieneregeln finden im Herbst einige Konzerte von Alex Diehl statt. So ist er unter anderem in Frankfurt am Main (4. September), München (15. September), Wolfsburg (19. September), Magdeburg (16. Oktober), Leipzig (17. Oktober), Oberhausen (23. Oktober) und Memmingen (13. November) zu erleben.

spot on news

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