Francine Jordi: Seit dem Brustkrebs "achte ich mehr auf meinen Körper"

Francine Jordi: Seit dem Brustkrebs "achte ich mehr auf meinen Körper"

Diagnose im Jahr 2017

Francine Jordi (44) hat eine steile Karriere hinter sich: Bereits als 21-Jährige gewann die Schweizer Sängerin 1998 den Grand Prix der Volksmusik, nahm 2002 am Eurovision Song Contest teil und hat bis dato 14 Alben veröffentlicht. Außerdem moderiert sie seit 2015 die aus dem “Musikantenstadl” entstandene “Silvestershow”. 2017 gab es dann jedoch einen großen Schicksalsschlag für sie: Francine Jordi bekam die Diagnose Brustkrebs, von der sie zunächst nichts in der Öffentlichkeit preisgab. Trotz Chemotherapie und Bestrahlung stand sie weiterhin auf der Bühne und ließ sich nichts anmerken. Erst 2018 erklärte sie, dass sie an Brustkrebs erkrankt gewesen sei und ihn überstanden habe.

Seit der Diagnose achtet die Schlagersängerin “viel mehr auf meinen Körper und gebe ihm auch die nötigen Pausen”, sagt sie nun im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news. Außerdem erzählt Francine Jordi, die am 13. August ihr Best-of-Album “Herzfarben” veröffentlicht, von den Höhe- und Tiefpunkten ihres Lebens und erklärt, warum die Krebsvorsorge “das A und O” ist.

Francine Jordi: Musikalisch gesehen habe ich schon ganz viele verschiedene Farben in meiner Karriere ausprobiert und auch persönlich hat man mit 44 Jahren eigentlich alle Gefühlsfarben schon einmal durchlebt – von strahlend Gelb über knalliges Rot bis hin zu Tiefschwarz. Es sind also gleich zwei Mal ganze Farbpaletten, die aufeinandertreffen und das Ganze ist verbunden mit ganz viel Herz.

Jordi: Das hat sich irgendwie so ergeben. Ich stehe jetzt mitten im Leben und wollte lieber meinen 44. Geburtstag groß feiern als den 45. Aber auch nur, weil mir die Zahl 44 sympathischer ist… (lacht) und zu diesem Anlass gab es dieses Resümee in musikalischer Form inklusive einer Handvoll neuer Titel.

Jordi: Der größte Höhepunkt war sicherlich mein Grand Prix Sieg im Jahr 1998 in Wien. Mit diesem Sieg hat alles angefangen und ich verdanke dem Lied “Feuer der Sehnsucht” so viel. Ohne dieses Lied würde ich nicht dieses Interview hier machen dürfen. Tiefs gibt es auch immer wieder und die sind auch ganz wichtig, denn nur wenn man die Tiefen durchlebt hat, weiß man das Glück zu schätzen.

Jordi: Ich habe es wirklich immer genossen, für Publikum zu singen. Meine Kindheit könnte ich mir eigentlich gar nicht besser und erfüllter vorstellen, als mit der Familie durch die Welt zu reisen und zu singen. Das war für mich ein Traum.

Jordi: Das war bei mir ein schleichender Prozess. So ab 30 fing ich an, immer bewusster zu leben und nicht mehr nur auf meinen Kopf, sondern auf mein Herz zu hören. Denn nur mein Herz weiß, was wirklich gut für mich ist. Da merkte ich immer besser, was mein Weg ist und was ich machen möchte. Ich lernte auch, Nein zu sagen und Sachen abzusagen, die ich nicht machen wollte. Aber der Prozess ist auch noch nicht fertig… Ich glaube, damit ist man ein Leben lang beschäftigt.

Jordi: Das Wichtigste für mich ist Gesundheit für meine Liebsten und für mich. Alles andere kann man mit einer positiven Lebenseinstellung akzeptieren und meistern.

Jordi: Natürlich habe ich das auch schon erlebt! Es ist wirklich eine Herausforderung, sich da abzugrenzen und zu merken, dass man sich selber nur kaputt macht und das eigentlich nichts mit Liebe zu tun hat. Bei mir gab’s da nur eins: Kontakt abbrechen und mich in der ersten Zeit danach irgendwie ablenken und einfach durchhalten.

Jordi: Es geht mir sehr gut und dafür bin ich sehr dankbar! Natürlich begleitet mich dieses Thema jetzt ein Leben lang. Aber ich habe akzeptiert, dass das ein Teil von dem Inhalt meines Rucksackes ist, mit dem ich durch mein Leben gehe.

Jordi: So ein Schicksalsschlag hat immer auch etwas Positives. Ich achte viel mehr auf meinen Körper und gebe ihm auch die nötigen Pausen. Ich probiere auch immer, den Augenblick bewusster zu genießen und mir keine Sorgen über die Zukunft zu machen. Manchmal gelingt mir das super, andere Male überhaupt nicht.

Jordi: Das war unglaublich anstrengend, da ich, je länger die Therapie ging, schwächer und schwächer wurde. Aber hätten die Zuschauer bei meinen Konzerten davon gewusst, hätten sie nicht mehr objektiv meine Leistung geschätzt. Zu meiner eigenen Verwunderung war meine Stimme immer super und nicht beeinträchtigt. Nicht einmal meinen Technikern, mit denen ich bereits seit Jahren zusammenarbeite, ist irgendetwas aufgefallen.

Jordi: Das ist das A und O. Ich bin Botschafterin der Krebsliga Schweiz und es liegt mir sehr am Herzen, dass wirklich alle diese Vorsorge-Untersuchungen machen. Nicht nur die Frauen. Ich hatte so ein Glück, dass ich meinen Tumor ganz im Anfangsstadium entdeckt habe. Diese Möglichkeit, früh und schnell reagieren zu können, wünsche ich jedem Betroffenen.

Jordi: Es gibt sie ja immer noch, nur mit anderem Namen. Jetzt heißt sie “Silvestershow mit Jörg Pilawa”. Es ist für mich die coolste Show, die ich bis jetzt moderieren durfte. Mit Jörg Pilawa an der Seite kann ich mir auch keinen besseren Partner vorstellen. Er lässt mir unglaublich viel Raum, ist sehr zuvorkommend und wenn ich Mist mache, rettet er mich aus jedem Schlamassel. Was will man noch mehr. (lacht)

Jordi: Ich nehme mir auch ganz viel Zeit für mich. Ich bin ein Mensch, der gerne alleine ist und diese Zeit auch braucht. Dann meditiere ich oder gehe mit meinem Hund Theo raus in die Natur. Das tut mir sehr gut!

Jordi: Ich freue mich jetzt einfach, wieder arbeiten zu können. Das ist ein Privileg, das ich durch Corona schätzen gelernt habe. Ich freue mich auf die Veröffentlichung der neuen CD, die neuen Lieder und endlich wieder Konzerte geben zu dürfen und meine Fans im ganzen deutschsprachigen Europa auch endlich wieder persönlich zu sehen.

spot on news

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