GNTM-Kolumne: Eine Leberwurst-Parade, Instant-Karma und Taschengeldentzug

GNTM-Kolumne: Eine Leberwurst-Parade, Instant-Karma und Taschengeldentzug

von Claudia Spitzkowski

Mir ist langweilig, sind wir bald da? Dauert’s noch lange? Ich muss mal! – Geht’s nur mir so, oder fühlt sich die GNTM-Staffel 2021 an wie eine lange öde Autofahrt auf dem Rücksitz von Mamas und Papas Auto, als man noch klein war? Puh. Aber dafür hab ich wenigstens gelernt, dass Karma dir die Beine schneller und härter wegtreten kann als Ronaldo und dass Mama Klum ein strenges Regiment beim Taschengeld führt. Möchte jemand noch eine Raucherpause machen, bevor wir zur „Leberwurst-Parade“ starten? Dann aber schnell, denn das Karma hat’s eilig.

Früher war mehr Lametta bei GNTM

Vollstes Verständnis für die erschwerten Drehbedingungen durch Corona, aber warum bitte ist Heidi Klum mit ihren Meeedchen nach Berlin gegangen, wenn wir – bis auf wenige Ausnahmen – nichts von Berlin sehen? Tatsächlich hätte diese Staffel bislang auch locker in meinem Wohnzimmer gedreht sein können, so klaustrophobisch eng wirken die fast durchgehend gleichen Kulissen Model-Loft und Catwalk.

Wo sind die Action-Challenges der letzten Staffeln? Nichts explodiert, nichts brennt, niemand muss unter Wasser ums nackte Überleben kämpfen und kein Nachwuchsmodel hängt in schwindelnder Höhe an einem Hochhaus und versucht, zwischen hysterischem Schreien und Schluchzen den „Mund ein bisschen zu entspannen“ und „etwas mehr auf die Fußhaltung“ zu achten. Nachdem sogar das Umstyling in Folge fünf geradezu schockierend undramatisch ablief, wäre ich jetzt wirklich bereit für Bungee-Jumping vom Reichstag oder Tauchen in der Spree. Hauptsache, jemand schreit.

Aus den Meeeedchen werden Gööööörls

Geschrei gab es in Folge sechs mal wieder nur im Model-Loft. Soulin hat sich in den vergangenen Folgen den Status der Klassenbesten erarbeitet, doch Bescheidenheit ist ihr leider eher fremd und sie wird nicht müde, ihren Kontrahentinnen mitzuteilen, wie „perfekt“, und „super“ ihr Shooting, ihr erster Model-Job und ihr Walk waren und wie viel Lob es von Heidi und – in der aktuellen Folge – von Fotograf Christian Anwander gab. Dieser benutzt übrigens mehr Anglizismen als einst Thomas „Sie wird für die nächste Elimination gesaved sein“ Hajo und nennt die Meeeedchen konsequent „Gööööörls“. I like. Mache ich jetzt auch.

Dafür ist Christian Anwander ab jetzt heißer Anwärter auf den Karl Lagerfeld-„Heidi Klum? Die kenne ich nicht. Die Claudia kennt die auch nicht“-Diss-Award 2021, seitdem er in der aktuellen Folge über Miriam sagte: „Sie erinnert mich an eine Achtziger-Jahre-Fernsehmoderatorin“ und fand, dass sie mehr wie eine Wetter-Fee als wie ein Model aussieht. Die so Geschmähte musste dann auch am Ende gehen. Die Schuld für ihr Ausscheiden suchte sie allerdings nicht bei sich, schließlich hatte sie schon „sehr viel Modelerfahrung“, sondern bei der offensichtlich inkompetenten Jury: „Christian und Heidi mögen es einfach schlicht.“

„Hallo, mein Name ist Karma, Sie haben mich gerufen? Hier bin ich“

Aber zurück zu Soulin, die ihr Talent und Können so gerne auch an ihre Konkurrentinnen weitergeben würde, die nicht so von der Model-Muse geküsst worden sind wie sie. Seltsamerweise kommt ihre ungefragte und ungewollte Nachhilfe nicht so gut an bei den anderen Gööörls. Dabei sind Sätze wie: „Wenn du so posierst, blamierst du das Kleid“ doch herzensgut und hilfreich. Ts.

Eine ist besonders genervt von Soulin: Linda. Wie in jeder Schulklasse gibt es neben der Streberin auch die Rebellin, die auf dem Schulhof heimlich raucht und in deren Vokabular das Wort „Fresse“ in etwa so oft vorkommt, wie Heidi Klum „Tokio Hotel“-Songs in die GNTM-Folgen einbaut. Also sehr oft. Lindas ganze Nikotinentzugsaggression (ist aber auch voll gemein, von Model-Mama Heidi, dass sie kein Taschengeld für Zigaretten rausrückt, weil Rauchen total ungesund ist!) richtet sich nach diversen verbalen Zusammenstößen im Model-Loft gegen Soulin und sie prophezeit ihr Böses: „Die wird mit ihrer Art noch ziemlich auf die Fresse fallen!“

„Hallo, mein Name ist Karma, Sie haben mich gerufen? Hier bin ich“, sprach daraufhin das Karma und trat der wütenden Linda, kaum hatte sie den Satz zu Ende gesprochen, beim Winter-Wonderland-Walk mit Anlauf die Beine weg. Dagegen war Lilianas Rollschuh-Sturz in den Blumenkübel vor dem Hotel Adlon in Folge vier ein kleiner Stolperer. Zum Glück blieb bis auf die Würde alles heil, nur die „Ich hab ‘ne Zwiebel auf dem Kopf, ich bin ein Döner“-Gedächtnisfrisur geriet in Schieflage. Mein dringlicher Rat an Linda: Ab jetzt NICHT mehr laut aussprechen, was du Soulin Gemeines wünscht. Es sei denn, du hast eine prima Krankenversicherung.

Ach, und liebes Instant-Karma, wo kann man dich denn buchen? Frage für einen Freund.

Nach der „Leberwurst-Parade“ ab ins Hotel?

Beim abschließenden Fotoshooting fürs Modelbuch mussten die Göööörls in hautfarbenen Bodys und Blazern posieren, was Mareike – nicht so ganz weit hergeholt – als „Leberwurst-Parade“ bezeichnete. Linda konnte nach ihrem Zusammenstoß mit dem Karma beim Walk auch im fleischfarbenen Ensemble beim Shooting nicht wirklich punkten und musste am Ende zittern. Kurz keimte Hoffnung in ihr auf, als Heidi und Christian sie kritisierten und es fast aussah, als gäbe es kein Foto für sie. „Geht’s dann ins Hotel? Gibt es da Kippen?“, fragte sie und konnte ihr Vorfreude kaum verbergen. Schade, Linda, schade, Heidi hat heute leider ein Foto für dich.

Ach, und übrigens …

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