Nach dem Interview: Das plant Boris Becker für die Zukunft

Nach dem Interview: Das plant Boris Becker für die Zukunft

"Ich bin ein Familienmensch"

Tennislegende Boris Becker (55) ist nach gut sieben Monaten am 15. Dezember 2022 aus der Haft in England entlassen und auf eigenen Wunsch hin nach Stuttgart ausgeflogen worden. Im Interview mit Steven Gätjen (50), das als „Sat.1 Spezial. Boris Becker“ am Dienstag (20.12., bei Joyn verfügbar) ausgestrahlt wurde, verriet er unter anderem ein paar Details zu seinen Zukunftsplänen – in denen viele Kinder vorkommen.

Einen ersten Hinweis auf den neuen, geläuterten Becker gab er in der Sendung, als er erklärte, warum er ausgerechnet in die baden-württembergische Metropole ausgeflogen werden wollte. „Die deutsche Öffentlichkeit meinte, ich lande in München oder in Frankfurt, weil ich eben in beiden Städten auch zuhause bin und gelebt habe.“ Weil er seine Privatsphäre jetzt aber schätze und mehr aufpasse, habe er sich für Stuttgart entschieden. „Ich wollte nicht in einem Trubel und vor Fotografen in die Freiheit kommen. Und das ist uns gelungen“, so Becker.

Ebenfalls gelungen ist ihm, seine Qualitäten als Sportprofi wiederzuentdecken. „Ich glaube, dieser Gefängnisaufenthalt hat mich zurückgeholt.“ Er habe in den Haftmonaten viel nachgedacht und seine Fehler eingesehen. Er sei „faul“, „bequem“ und „fett“ geworden, so sein Fazit. Dann habe er sich als Tennisspieler wiederentdeckt, „weil ich damals wohl so gedacht haben muss: nur im Moment leben, sehr diszipliniert sein, sehr asketisch und Prioritäten setzen, was darf ich tun und was ich bleiben lassen sollte – all das habe ich versucht, wiederzuentdecken und zu verinnerlichen. Jetzt besteht meine Aufgabe darin, diesen Weg nicht mehr zu verlassen“, gibt er die Marschrichtung für die Zukunft vor.

Wohin ihn dieser neue Weg mit den reaktivierten Charakterzügen konkret führen wird, dazu hielt Becker sich vage. „Ich habe Ideen, aber ich bin vorsichtig geworden mit meinen Aussagen über die Zukunft“, teilte der ehemalige Sportprofi und Werbestar mit. „Lass mir die Weihnachtszeit. Ich komme auch gerne wieder zu dir ins Studio“, versprach er Gätjen aber.

Immerhin erklärte er, welche Regeln für seine „zweite Chance“ gelten: „Ich kann nur das ausgeben, was ich verdiene“, sagte Becker. Und er fügte hinzu: „Ich bin 55 Jahre alt und habe etwas dazugelernt: Dass ich deutlich vorsichtiger sein muss mit meinen sogenannten ‚Beratern und guten Freunden‘. Bis ich es verstehe, werde ich keinen Vertrag mehr unterschreiben.“

2012 habe er gemerkt, so Becker, dass das Geld nicht reiche und er habe sich von der Bank Geld geliehen. „Das ist jetzt vorbei und das heißt, ich kann zum ersten Mal nachdenken, was ich mit dem Rest meines Lebens mache: Wo wohne ich? Wo will ich alt werden? Ich bin 55, ich will noch 25 gute Jahre vor mir haben – hoffentlich mit meiner großen Liebe Lilian“, sagte er. Zur Wohnsituation ließ er sich immerhin so viel entlocken: „Ich kann dir ehrlich nicht sagen, wohin ich jetzt gehe. Ich glaube nicht in Deutschland, weil ich mein Privatleben und meine Privatsphäre über alles schätze. Und ich glaube, dass ich das hier nicht schaffe.“

Weiter sinnierte er: „Ich weiß nicht, ob ich in Europa bleibe, ob ich nach Miami [Florida, Red.] gehe, wo ich lange gelebt habe.“ Er sei aber auch „ein Fan von Dubai – da verbringe ich auch hier und da mal Zeit“. Er könne aktuell nicht sagen, wo es ihn hinziehen werde. „Aber dass ich überhaupt darüber nachdenken darf, und dass ich wieder eigenes Geld verdienen darf, und dass ich mir irgendwann mal wieder eine Wohnung kaufe, oder ein Auto kaufe… das war jahrelang nicht möglich“, erklärte er.

Möglicherweise wird die Tennislegende bei der kommenden Berlinale auf den roten Teppich zurückkehren. Bei dem Filmfestival vom 16. bis 26. Februar 2023 stellt Regisseur Alex Gibney (69, Oscar für „Taxi zur Hölle“) seine Boris-Becker-Dokumentation vor, wie die Festivalleitung am Dienstag (20. Dezember) mitteilte. Ob der Star auch zur Premiere eingeladen ist, ging jedoch nicht aus der Pressemitteilung hervor. Der Streamingdienst Apple TV+ hatte den Zweiteiler über Becker angekündigt. Laut der Mitteilung sollen „alle Aspekte des Mannes beleuchtet werden“, der wegen Insolvenzverschleppung in Großbritannien zu einer zweieinhalbjährigen Haftstrafe verurteilt wurde.

Becker gewährte exklusiven Zugang zu seinem Privatleben vor seiner Haftstrafe. In der Dokumentation soll einerseits die erfolgreiche Karriere von Becker beleuchtet werden, der mit nur 17 Jahren in Wimbledon gewann und sich 49 Titel erspielt hat, darunter sechs Grand Slams und eine olympische Goldmedaille. Andererseits wird es auch um Beckers „manchmal turbulentes Privatleben“ gehen, hieß es in der Ankündigung.

Auf die Frage, wo er sich in zehn, zwanzig Jahren sehe, sagte Becker zum wiederholten Mal mit den Tränen kämpfend: „Umringt von meinen Kindern. Ich hoffe, es kommen noch ein paar dazu. Ich bin ein Familienmensch und meine Kinder sind die Liebe meines Lebens.“ Aktuell hat er vier Kinder mit drei ehemaligen Partnerinnen.

Apropos, er wünscht sich mit seiner „großen Liebe Lilian“ in Frieden, Freiheit und glücklich seinen Lebensabend verbringen zu können. Ob Lilian de Carvalho Monteiro seine dritte Ehefrau werden könnte, dazu hielt Becker sich bedeckt. Nur so viel gab er Preis: „Sie hat mir gesagt, dass ich über unser Privatleben und unsere Pläne nichts sagen darf […]. Ich hoffe für immer und ewig.“

Vermutlich meint er unter anderem auch sie, wenn er von den „wunderbaren Menschen“ schwärmt, „die vor allem nicht in der Presse stehen wollen, die keine Öffentlichkeit brauchen, die mich als Mensch schätzen, die mich vielleicht auch als einigermaßen intelligenten, erfahrenen Mann kennenlernen wollen und von mir profitieren“. Diesen neuen Kreis an Leuten, das neue Umfeld habe er sich „seit 2017, seit meiner Insolvenz und dem Ende meiner Ehe mit Sharlely im Herbst 2017“ geschaffen. Die Gefängnisstrafe sei der letzte Schritt gewesen, aber die Veränderung sei schon 2017 passiert.

Was auch immer die Zukunft bringen mag, Boris Becker blickt zuversichtlich nach vorne. „Ich freue mich, ich bin motiviert. Ich muss arbeiten. Ich bin dankbar, dass alle meine Partner bei mir geblieben sind, dass sie mir eine zweite Chance geben“, freute er sich.

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