Statement zu Harry und Meghan: Das steht zwischen den Zeilen

Am 9. März, um 18.26 Uhr deutscher Zeit – und damit knapp 40 Stunden, nachdem das Oprah-Interview in den USA ausgestrahlt wurde – teilt die Königin kurz und knapp mit:

"Die ganze Familie ist erschüttert darüber, zu erfahren (1), wie herausfordernd die letzten Jahre für Harry und Meghan (2) gewesen sind. Die angesprochenen Themen, insbesondere das der Hautfarbe, sind beunruhigend (3). Während manche Wahrnehmungen abweichen (4), wird das Thema sehr ernst genommen (5) und im familiären Kreis privat besprochen (6). Harry, Meghan und Archie werden für immer geliebte Mitglieder der Familie bleiben (7)."

Oprah-Interview: Was Queen Elizabeth im Statement auf den zweiten Blick verrät

1. Die Royals kannten nicht alle Probleme der Sussexes

Dass Prinz Harry, 36, und Herzogin Meghan, 39, eine Konversation "ohne Tabus" führen würden, war angekündigt worden – und man hielt Wort. Rassismus, Selbstmordgedanken, die zerrüttete Beziehung Harrys zu Prinz William und Prinz Charles, die Gründe für den Megxit – Harry und Meghan nutzen die Gelegenheit, um sich vieles von der Seele zu reden. Das Ausmaß der Probleme war der Königsfamilie offenbar nicht bewusst.

2. Die Königin hält es persönlich

Sie verwendet keine Titel ("Der Herzog und die Herzogin von Sussex"), sondern die Vornamen ihres Enkels und dessen Frau. Damit zeigt sie: Ich spreche zuallererst als Großmutter, erst dann als Oberhaupt der Monarchie.

3. Sie packt ein heißes Eisen an, aber …

Wie zu erwarten ist das Rassismus-Vorwurf jener, der dem Königshaus am gefährlichsten werden kann. Die Queen ist als Oberhaupt des "Commonwealth of Nations" Millionen von People of Colour auf der ganzen Welt eng verbunden. Deshalb ist es ihr wichtig, diesen einen Vorwurf von Prinz Harry und Herzogin Meghan explizit zu nennen.

4. Die Queen zeigt Zähne

Die 94-Jährige macht klar, dass sie nicht mit allen übereinstimmt, was Prinz Harry und Herzogin Meghan in dem Interview erzählen. Die Nachricht: Es gibt immer zwei Seiten einer Geschichte und meine weicht von eurer ab.

5. Die angesprochen Themen werden ernst genommen

Die Queen erkennt die von Harry und Meghan genannten Probleme an und signalisiert damit: Wir hören euch zu.

6. Es bleibt eine Familiensache

Die Sussexes mögen öffentlich gesprochen haben, doch die Queen wird es nicht tun.

7. Die Tür steht offen für Harry, Meghan und Archie

Trotz der ernsten Anschuldigungen, die Harry und Meghan gegen die Königsfamilie und den Palast erheben, zeigt sich die Queen versöhnlich. Es ist ein Einladung an Prinz Harry und Herzogin Meghan, den Royals in England wieder näher zu kommen.

Kommentar: Hat die Queen richtig oder falsch reagiert?

Nur 60 Worte umfasst das Statement von Queen Elizabeth. Zwei Tage hat der Palast gebraucht, um es zu erstellen. Warum so lange? Insider sagen in britischen Medien, man habe in Ruhe über die Angelegenheit nachdenken und seine Worte mit Bedacht wählen wollen. Außerdem habe man dem britischen Publikum zunächst die Möglichkeit geben wollen, das Interview in voller Länge zu sehen. Gezeigt wurde es am Abend des 8. März, also einen Tag nach US-Ausstrahlung.

In England stößt das Statement auf geteiltes Echo. Die einen sind der Meinung, die Queen sei sich treu geblieben und habe "genau richtig" gehandelt: privat bleibt privat, einen öffentlichen Schlagabtausch wird es mit ihr nicht geben. Die anderen sind enttäuscht, weil keine der in dem Harry-und-Meghan-Interview aufgeworfenen Fragen geklärt wird. Haben die Familie und der Palast Meghan wirklich nicht geholfen, als sie Hilfe wegen ihrer Selbstmordgedanken suchte? War die Hautfarbe des Sohnes des Paares ein Thema und wenn ja, wer hat es angesprochen? Was ist zwischen Herzogin Catherine und Herzogin Meghan vorgefallen, dass Meghan weinen musste? Wie ist das Verhältnis zu Harry aus der Sicht der Familie? 

Dass Queen Elizabeth dazu keine Stellung nimmt, war zu erwarten. "Beschwere dich nie, erkläre dich nie". An diesem goldenen Mantra hält sie auch in Sachen Prinz Harry und Herzogin Meghan fest. Ob es die Öffentlichkeit dieses Mal akzeptieren wird, steht auf einem anderen Blatt Papier.

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