"Sterben ist auch keine Lösung": Feine Komödie über lebensmüden Witwer

"Sterben ist auch keine Lösung": Feine Komödie über lebensmüden Witwer

Sawatzki und Sittler

Walter Sittler (70, „Unter Freunden stirbt man nicht“) und Andrea Sawatzki (59, „Bundschuh“-Reihe) spielen die Hauptrollen in der intelligenten, wortwitzreichen und sehr bunten TV-Komödie „Sterben ist auch keine Lösung“ (20.1., 20:15 Uhr, das Erste) von Regisseur Ingo Rasper (48).

Der verwitwete Bücherwurm Hermann (Sittler) glaubt in der eleganten Literaturliebhaberin Hanne (Sawatzki) die Richtige gefunden zu haben – allerdings nicht fürs Leben, sondern für sein baldiges Dahinscheiden! Der schwermütige Rentner will nach einer Krebsdiagnose weder kämpfen noch siechen wie seine geliebte Frau vor 30 Jahren, sondern selbstbestimmt abtreten – solange es ihm noch gut geht. Freitod oder Sterbehilfe kommen jedoch für Hermann mit Rücksicht auf seine alleinerziehende Tochter Claudia (Anja Knauer, 43) und seinen Enkel Lenny (Arthur Gropp), die keine Ahnung von seiner schweren Krankheit haben, nicht infrage.

Durch die Bekanntschaft mit der dreifachen Witwe Hanne, deren wohlsituierte Gatten bereits kurz nach der Eheschließung das Zeitliche segneten, kommt ihm eine todsichere Idee: Er muss die „Schwarze Witwe“ heiraten, die sich als gelernte Apothekerin mit Gift bestens auskennt. Um Hannes Herz zu erobern, setzt der zuweilen unsensible und besserwisserische Hermann auf eine wohldosierte Mischung aus Hochstapelei, Understatement und Charme. So kommt er der Umworbenen näher, sein Ziel gerät aber immer mehr infrage: Durch die romantische Annäherung an seine Witwe in spe bereitet ihm das Leben wieder Freude…

Was für sie das Besondere an diesem Film im Rahmen des „Endlich Freitag“-Sendeplatzes ist und warum sie gerne mitspielen wollte, darauf sagt Andrea Sawatzki: „Ich hatte Lust auf diese schräge unkonventionelle Frauenrolle. Auf eine Person, die einerseits ziemlich vorlaut erscheint, aber trotzdem hochsensibel ist.“ Aber sie sei auch sehr gespannt gewesen, auf die Arbeit mit Ingo Rasper, dem Regisseur, und auf Walter Sittler. „Beides waren schöne Begegnungen“, so die Schauspielerin.

Ob sich die schrill gekleidete Hanne und Andrea Sawatzki in ihren Charakterzügen wohl ähneln? „Wir sind eher gegensätzlich. Aber Gegensätze ziehen sich ja bekanntlich an, deshalb habe ich Hanne sehr gern gespielt. Ich persönlich bin viel schüchterner als Hanne, ich mache um fremde Menschen einen großen Bogen“, sagt Sawatzki. „Eines haben wir aber vielleicht doch gemein: die Eigenschaft, sich ungern bevormunden zu lassen, wenn man den Sinn dahinter nicht einsieht“, schiebt sie hinterher.

Walter Sittler wollte den Rentner mit Hang zum Schwarzsehen spielen, weil er wissen wollte, wie seine Figur den Weg aus der scheinbar ausweglosen Situation findet. „Es ist ein bekanntes Phänomen: In schwierigen, meinetwegen auch tragischen Situationen, alles richtig machen zu wollen, führt oft zur Überforderung, die aber nicht zugegeben werden kann. Zumindest nicht bis zum Zusammenbruch. Wir leben in einer Gesellschaft, in der man eigentlich nichts ‚falsch‘ machen darf – eine letztlich ausweglose Situation“, erklärt Sittler dazu. Es habe ihn interessiert, „wie eine Figur den Weg da herausfindet, natürlich mit Hilfe anderer Menschen“.

Im Film geht es auch ums Sterben und den Tod. Das hat Sittler aber nicht beeinflusst, wie er sagt. „Nein, das sind Themen, die mich schon lange begleiten. In einer großen Familie, wie der meinen, ist das ein ständiges, unausweichliches Thema.“

In „Sterben ist auch keine Lösung“ geht es unter anderem um „Lieblingsorte“. Der von Sawatzki ist „mein Garten“, wie sie verrät. Sittlers „Oase der Ruhe“ sind dagegen Menschen: „Durch meinen Beruf habe ich viele schöne Orte sehen und erleben können, aber die Oase, wie Sie es nennen, ist dort, wo ich mit meiner Familie sein kann – meist ist es mit meiner Frau in Stuttgart“, sagt er.

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