Warum die Königsfamilie mit Nachnamen Windsor heißt

Im Februar 1840 heiratet Queen Victoria, die Ururgroßmutter von Queen Elizabeth und zur Hälfte Deutsche, den deutschen Prinzen Albert von Sachsen-Coburg und Gotha. Die Königsfamilie nimmt dessen Name an. Mit Einsetzen des Ersten Weltkrieges im Juli 1914 wird die frappierende Verbindung zu Deutschland immer mehr zum Problem ­– einem existenziellen Problem.

Anti-deutsche Stimmung bedroht die Royals

"Alles, was eine Verbindung zum gefürchteten und verhassten Deutschland hat, war ein Gräuel", berichtet Royal-Experte Alastair Bruce, 60, in der Dokumentation "The Royal House of Windsor". Immigranten werden bedroht, ihre Geschäfte mit Zielsteinen beworfen und auch die Mächtigen bleiben nicht verschont.  "Die Stimmung ändert sich", rekapituliert Bruce. "Die Öffentlichkeit hat [1916] genug vom Krieg, den vielen Toten, den Entbehrungen und der Qual. Die alte Ordnung, die großen institutionellen Monarchien von Europa, knicken ein."

Zum Zeitpunkt des Krieges sitzt König George V., der Enkel von Victoria und Albert, auf dem Thron. Mit seiner deutschstämmigen Frau, Queen Mary, hat er sechs Kinder. Sue Gibbons von der "Anglo-German Family History Society" erklärt: "Es muss eine sehr beunruhigende Zeit für die [Königs]Familie gewesen sein […]. Nach allem, was wir getan haben, nach der ganzen langen Zeit, die wir hier sind, sehen sie uns immer noch als Deutsche? Werden sie uns vielleicht rauswerfen?"

Sorge um das eigene Leben

Ein mahnendes und erschreckendes Beispiel zeigt sich dem König beim Blick gen Russland: Sein Cousin, Zar Nikolaus II., und dessen Familie werden nach dem Sieg der Bolschewiki in der Oktoberrevolution 1917 gefangen genommen und am 17. Juli 1918 hingerichtet.

Als Oberhaupt der Nation wird von George V. erwartet, dass er das starke Aushängeschild des britischen Volkes ist. Der König weiß: Entweder, die britischen Royals passen sich an und befreien sich von den Fesseln ihrer Herkunft – oder laufen Gefahr, ihre Macht zu verlieren. Oder, noch schlimmer: zu sterben wie die Zarenfamilie. 




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Die Royals braucht einen neuen Nachnamen

Im Lichte der russischen Revolution und der anti-deutschen Stimmung in England wird der Privatsekretär des Königs damit beauftragt, einen neuen Namen für die Königsfamilie zu finden. Das ewige Mahnmal Sachsen-Coburg und Gotha muss weg!

Dokumente aus dem royalen Archiv auf Schloss Windsor enthüllen, dass Lord Stamfordham etliche historische Bücher wälzte, um seinem Chef und dem Premierminister einen passenden Vorschlag zu unterbreiten. Doch vergebens. Ob Plantagenet, Tudor, Tudor-Stuart, Fitzroy oder Guelph – alle potentiellen Namen werden abgeschmettert.

Und dann auch noch das: Am 13. Juni 1917 findet ein verheerender Luftangriff der Deutschen auf London statt. Über 100 Bomben werden von 14 Flugzeugen über der Stadt abgeworfen, 162 Zivilisten getötet, darunter 18 Kinder während des Unterrichtes in einer Schule. Der Name der Bomber: Gotha. Es ist eine Tragödie für das Land und ein weiteres Desaster für das Image der Royals.

Der Name Windsor wird geboren

Privatsekretär Lord Stamfordham kommt just am selben Tag die alles entscheidende Inspiration – und die lag die ganze Zeit direkt vor ihm. Er schreibt an den König: "Ich hoffe, wir haben jetzt einen Namen entdeckt, der Ihnen gefällt. Demnach soll Queen Victoria als diejenige betrachtet werden, die das Haus Windsor gegründet hat."

Dem Monarch gefällt die Idee. Historikerin Miranda Carter erklärt in der Dokumentation, warum: "Windsor ist eine brillante Idee, ein fantastisches Markenbranding. Es symbolisiert Sicherheit, Gemütlichkeit, diese schöne, üppige Landschaft, Tee und Kuchen. Es sagt direkt aus, wie König George die Königsfamilie haben will."

König George V. gründet eine neue Dynastie

Am 17. Juli 1917 wird es offiziell. In einer Proklamation verkündet der Großvater von Queen Elizabeth, dass mit sofortiger Wirkung sowohl das Königshaus als auch die Königsfamilie den Namen Windsor tragen werden. Bis heute hat das Haus Windsor drei Könige und eine Königin hervorgebracht: George V. (1910 bis 1936), Edward VIII. (1936), George VI. (1936 bis 1952) und Elizabeth (seit 1952). Der Fünfte im Bunde wird eines Tages der heutige Prinz Charles sein.

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