August Wittgenstein kritisiert Schwedens Corona-Politik

Die Geschichte um die Schöllack-Schwestern wird mit “Ku’damm 63” fortgesetzt. Wieder mit dabei ist auch August Wittgenstein. Im t-online-Interview spricht er über Lockdown-Beschäftigungen und Sehnsüchte.

Nach “Ku’damm 56” und “Ku’damm 59” folgt im ZDF jetzt der nächste Dreiteiler rund um Tanzlehrerin Caterina Schöllack (Claudia Michelsen) und ihre drei Töchter, die inzwischen mit ganz persönlichen familiären Problemen zu kämpfen haben. August Wittgenstein spielt auch in “Ku’damm 63” den heimlich schwulen Ehemann von Schöllack-Tochter Helga (Maria Ehrich). 

Warum der 40-Jährige sich August Wittgenstein und nicht August-Frederik Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg nennt, was ihm aufgrund der Corona-Pandemie besonders fehlt und wie er die freie Zeit genutzt hat, erzählt der Schauspieler im telefonischen Interview mit t-online. Außerdem macht er deutlich, dass er nichts gegen eine Ermittlerrolle im “Tatort” hätte und ihm dafür auch schon eine Lieblingsregion vorschwebt.

August Wittgenstein: Für mich war es nicht so schlimm, weil ich vor der Unterbrechung nur drei oder vier Drehtage hatte. Ich war noch nicht lange genug im Flow. Viele andere Schauspieler hingegen schon. Dann ist man voll drin und will natürlich weitermachen. Nach einer Unterbrechung wieder reinzufinden, ist schon anspruchsvoll. Zudem gab es Probleme rein praktischer Natur, bevor man genauer Bescheid wusste über das Virus. Wie weit muss man Abstand haben, werden wir jetzt alle krank? Und was passiert da eigentlich? Das war mit viel Sorge verbunden. Corona hat das unbeschwerte Miteinander, das ich normalerweise vom Set kenne, ein bisschen getrübt. Aber ich bin stolz darauf und beeindruckt davon, wie gut man dann mit der Situation umgegangen ist und schon im August wieder starten konnte mit einem sehr soliden Hygienekonzept und Corona-Maßnahmen.

Inzwischen besteht ja auch gewisse Routine bei Dreharbeiten, was die Corona-Maßnahmen angeht.

Ich finde schon. Das hat sich bewährt und sehr schnell normalisiert. Ich hoffe trotzdem, dass wir, wenn diese Sache irgendwann mal abflaut, wieder schnell zur unbeschwerten Zusammenarbeit zurückfinden, die mir bei Dreharbeiten so gut gefallen hat.

Die Hoffnung ist groß. Was macht für Sie als Schauspieler den Reiz an der “Ku’damm”-Reihe aus?

Für mich war “Ku’damm” das erste große Projekt in Deutschland, dem ich sehr viel zu verdanken habe. Die Figur von Wolfgang von Boost, diesem Staatsanwalt mit einer inneren Zerrissenheit, hat mich schon sehr angesprochen. Außerdem auch die Zeit, in der die Reihe spielt. Denn die Nachkriegszeit findet meiner Meinung nach im deutschen Fernsehen recht wenig Beachtung. Meist werden Zweiter Weltkrieg und Drittes Reich und Mauerfall behandelt. Die Zeit direkt nach dem Krieg, wo man versucht hat, Deutschland wiederaufzubauen, war noch nicht gut beleuchtet. Deshalb finde ich dieses geschichtliche Drama sogar doppelt interessant.

“Ku’damm 63”: In dem TV-Dreiteiler spielt August Wittgenstein Wolfgang, den schwulen Ehemann von Helga (Maria Ehrich). (Quelle: ZDF / Boris Laewen)

Ihre Rolle Wolfgang von Boost legt sehr viel Wert auf das Von. Sie persönlich haben Ihre Adelstitel abgelegt. Ein lustiger Zufall?

Ich glaube, da haben sich die Drehbuchautoren einen Spaß erlaubt, weil sie wissen, dass ich meinen Zusatz nicht benutze. Aber ich habe nichts abgelegt, weil man nichts ablegen muss. Es gibt keinen Adel mehr in Deutschland. Es ist Teil meines Namens und ich benutze immer Wittgenstein der Einfachheit halber, seitdem ich denken kann, schon zu Schulzeiten. Ich habe das Gefühl, andere Menschen legen da mehr Wert drauf, aber für mich ist das überhaupt kein Thema.

Noch einmal zurück zur Corona-Unterbrechung. Was haben Sie während der Drehunterbrechung gemacht?

Zuerst einmal war ich sehr nervös und bin dann auch gleich aufs Land in NRW geflüchtet – in die Nähe meiner Eltern. Dort habe ich viel Ruhe gefunden.

Wohin gingen Ihre Gedanken dort?

Keine Veranstaltungen mehr, keine Arbeit. Dadurch, dass das Tempo aus allem rausgenommen wurde, konnte ich über vieles nachdenken: Was will ich eigentlich? Wo will ich hin und was ist mir wichtig? Für mich war es eine sehr besinnliche Zeit. Aber ich habe mich natürlich auch weiter beschäftigt. Ich habe Italienisch gelernt und versucht, ein paar Gedichte auswendig zu lernen, zu lesen und mich ein bisschen weiterzubilden, mit Dingen, die sonst – wenn man ständig arbeitet – zu kurz kommen.

Haben Sie eine Antwort auf die Frage, wohin Sie wollen, gefunden?

Der Prozess läuft noch, aber dafür ist mir noch mal bewusster geworden, wer und was mir wichtig ist: Familie und Freunde.

Was fehlt Ihnen besonders in der Corona-Zeit?

Sich mit mehreren Freunden gleichzeitig treffen zu dürfen, Erfahrungen und Geschichten auszutauschen, das fehlt mir besonders. Auch das Reisen fehlt mir. Ich habe viele Freunde und Familie in Schweden, die ich jetzt fast gar nicht gesehen habe. Es fehlt aber auch, einfach abends ins Restaurant gehen zu können, ohne irgendwie panisch zu werden. Selbst in meiner Familie ist es so, dass wir alle sehr vorsichtig miteinander sind. Einfach mal die Eltern zu umarmen, das fehlt mir auch.

Sie haben schon Freunde und Familie in Schweden erwähnt. Stichwort Sonderweg in der Corona-Pandemie (mehr zur schwedischen Vorgehensweise und den Konsequenzen lesen Sie hier). Hatten Sie größere Angst um die Ihnen nahestehenden Menschen?

Über dieses Thema könnte ich stundenlang reden. Angesichts dessen, wie die schwedische Regierung diese Pandemie gehandhabt hat, bin ich sehr kritisch. Vor allem, wenn man den Vergleich anschaut mit Norwegen, Finnland und auch mit Dänemark. Da haben sie einen Bruchteil der Todesfälle und keinen größeren wirtschaftlichen Schaden erlitten. Der Regierung in Schweden war es zu mühsam, diese Pandemie richtig zu bekämpfen. Deswegen hat man sich gesagt, dass es schon nicht so schlimm wird. Man hat dadurch viele alte Menschen, vor allem in den Heimen, aufgegeben. Das finde ich in einer Demokratie sehr verwerflich.

Schweden wird sonst häufig als Vorbild für vieles, das funktioniert, genommen.

Auch da habe ich eine andere Ansicht durch meine persönlichen Erfahrungen. Das Gesundheitssystem ist hier viel besser. Und auf die Pandemie bezogen finde ich, dass die Deutschen das in der ersten Phase deutlich besser gemacht haben als die Schweden. Ich weiß nicht genau, warum, aber es hat sich auch so ein kleiner Nationalstolz eingebürgert bei den Schweden. Man war so stolz auf den schwedischen Weg, dass fast niemand Kritik daran geübt hat. Der Weg wurde nicht wirklich hinterfragt. Das ist bedenklich. In einer freien Demokratie müssen diese Debattenkultur und der kritische Blick immer da sein.

Wenn die Pandemie vorbei ist, man wieder machen kann, worauf man Lust hat, was würden Sie dann als Erstes unternehmen?

Ich werde mich ins Auto setzen, nach Italien fahren und in mein Lieblingsrestaurant in Florenz gehen. Dort werde ich ein bisschen Wein trinken und das Leben genießen.

Sie haben letztens in “Das Geheimnis des Totenwaldes” einen Kommissar gespielt. Könnten Sie sich vorstellen, die Rolle eines “Tatort”-Kommissars zu übernehmen?

Absolut, klar. Das ist natürlich das Aushängeschild des deutschen Fernsehens, eine Institution mit einer irren Reichweite. Ich weiß nicht, ob jetzt der richtige Zeitpunkt dafür wäre. Aber das ist keine Sache, die ich kategorisch ausschließe.

Hätten Sie da eine bevorzugte Stadt?

Eine Lieblingsstadt – dann gerne eine, in der ich nicht selbst wohne. Ich bin ich ein großer Bayern-Fan, deswegen fände ich es irgendwo im Süden schon ganz schön. 

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Die erste Folge von “Ku’damm 63” zeigt das ZDF am Sonntag, 21. März um 20:15 Uhr. Die Teile zwei und drei laufen dann am Montag, den 22. März sowie am Mittwoch, den 24. März ebenfalls zur Primetime um 20:15 Uhr.

In der ZDF-Mediathek sind alle drei Teile bereits ab dem 20. März verfügbar. Dort können Sie auch noch auf “Ku’damm 56” und “Ku’damm 59” zugreifen.

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