In der DDR geboren und Libanon-sozialisiert: Die Neue bei den "Tagesthemen"

  • Sie wurde in der DDR geboren, als diese schon kurz vor ihrem Ende stand. Auch der Libanon spielt in Aline Abbouds Leben eine Rolle.
  • Jetzt wird sie neue “Tagesthemen”-Moderatorin und damit eine von Deutschlands bekanntesten TV-Nachrichtenjournalisten.

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Aline Abboud wird bald gefühlt jeder TV-Nachrichtenzuschauer in Deutschland kennen. Sie ist die Neue im “Tagesthemen”-Team, dem ARD-Flaggschiff in Hamburg mit Millionenpublikum. Nach dem Weggang von Pinar Atalay zum Privatsender RTL rückt die 33-Jährige auf in das Moderatorenteam mit Ingo Zamperoni und Caren Miosga. Am Samstag (4. September, 23:30 Uhr) moderiert Abboud ihre erste “Tagesthemen”-Sendung.

Auf das Ritual eines von TV-Kollegen gern verwendeten eigenen Schlusssatzes wird die neue “Tagesthemen”-Frau wohl verzichten. “Ich bin nicht so ein Freund von Floskeln, die den Schwenk hin zu ‘Alles wird gut’ machen. Ich motiviere gerne Menschen, aber nicht mit solchen Sätzen”, sagte die 33-Jährige der Deutschen Presse-Agentur. “Ich glaube nicht, dass ich da irgendetwas einführen werde. Wenn dann spontan, oder wenn es gerade passt.”

Schlusssätze haben bei so manchem TV-Moderator Tradition. Abbouds “Tagesthemen”-Kollege Ingo Zamperoni etwa sagt “Bleiben Sie zuversichtlich”. Im Ohr ist vielen sicher auch noch der frühere “Tagesthemen”-Moderator Ulrich Wickert, der stets eine “geruhsame Nacht” wünschte. Und Ex-“Tagesschau”-Sprecher Jan Hofer sagte vor kurzem bei seiner ersten Nachrichtensendung beim Privatsender RTL (“RTL Direkt”) den Abschlusssatz “Machen wir alle das Beste daraus”.

“Habe das Gefühl, ich bin alleine”

Mit dem Druck und der Gewissheit, dass Millionen ihr beim Job zuschauen werden, geht Abboud so um: “Ich schaue einfach nur in ein schwarzes Loch im Teleprompter und habe das Gefühl, ich bin alleine und meine Oma guckt zu.” Die 33-Jährige ergänzte im dpa-Gespräch: “Ich habe in den letzten Jahren gelernt, entspannter vor der Kamera zu stehen.”

Der Moderationsjob sei körperlich zugleich sehr anstrengend. “Nach jeder Schicht ist man k.o.” Das liege daran, dass man von einem auf den anderen Moment Präsenz zeigen müsse. Über die künftige Moderation der “Tagesthemen” spätabends sagte sie, herausfordernd sei dies: “Man ist auf Adrenalin und muss den Körper anknipsen. Und sich danach sozusagen wieder abzuschalten und zu sagen: Jetzt gehe ich ins Bett.”

Abboud kennt bereits die Arbeit für öffentlich-rechtliche TV-Sender, sie wechselt vom ZDF zur ARD. Sie moderierte zuletzt die ZDF-Nachrichtensendung “heuteXpress”. Abboud war auch Redakteurin der ZDF-Nachrichtensendung “heute”, zudem war sie als Reporterin für das “Auslandsjournal” tätig. Auch für das digitale Inhalte-Netzwerk Funk von ARD und ZDF, das sich speziell an jüngere Leute richtet, arbeitete sie.

Abboud will Vorbild sein für junge Leute mit Migrationsbiografie

Abboud hat deutsch-libanesische Familienwurzeln und wurde in den späten DDR-Zeiten 1988 in Ost-Berlin geboren. “Ich wollte eigentlich immer Journalistin werden, um über den Nahen Osten zu berichten. Deshalb habe ich auch Arabistik studiert. Aber ich hatte auch gemerkt, dass mir die Arbeit vor der Kamera Spaß macht”, sagte die Journalistin.

Auf die Frage, für was sie mit ihrem neuen “Tagesthemen”-Job stehen möchte, sagte Abboud: “Viele junge Leute, die eine ähnliche Migrationsbiografie haben wie ich, schreiben mir, dass ich für sie ein Vorbild sei. Weil man denkt: Das kann ich dann auch schaffen. Das freut mich.” Sie hoffe zugleich, nicht nur Menschen mit Migrationsbiografie, sondern auch Menschen, die Ost-West-Vergangenheit haben, Impulse zu geben. “Ich bin Libanon-sozialisiert, ostdeutsch-sozialisiert und ich bin ein Einheitskind. Ich versuche, die Chancen und Perspektiven zu nutzen, um andere zu motivieren und Dinge voranzutreiben.”

Marcus Bornheim, Erster Chefredakteur von ARD-aktuell – der ARD-Gemeinschaftseinrichtung, zu der auch die “Tagesthemen” und “Tagesschau” gehören – sagte laut Mitteilung des Norddeutschen Rundfunks über Abboud: “Sie bringt durch ihre Biografie die ostdeutsche Perspektive mit ein.” Außerdem habe sie eine große Expertise für den Nahen Osten. (jwo/dpa) © dpa

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