Schönes Schlamassel

Berlin (dpa) – Die ganze Verwirrung fängt eigentlich mit Ephraim Kishon an. Anne (Verena Altenberger) rutscht in ihrem kleinen Münchner Buchladen auf einem Band mit Erzählungen des israelischen Humoristen aus. Beim Eingipsen ihres verstauchten Armes lernt sie darauf den Unfallchirurgen Tobias (Lasse Myhr) kennen, an dessen Hals ein kleiner Judenstern baumelt. Anne – von der jüdischen Kultur fasziniert – findet großes Gefallen an dem Arzt. Doch Tobias macht nur ihrer Freundin, der Masseurin Laura (Lisa Wagner), schöne Augen.

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Derweil rettet Tobias’ bester Freund, der Gynäkologe Daniel (Maxim Mehmet), seinen Rasenroboter “Daisy” vor dem Ertrinken im Pool. Wenig später treffen alle auf einer Party im “Shalom Club” aufeinander. Daniel gibt sich kurzerhand ebenfalls als Jude aus, um bei Anne zu landen, die sich mit ihrem Buchladen auf jüdische Literatur spezialisiert hat. Die beiden werden dann auch tatsächlich ein Paar, doch Daniel verheddert sich immer mehr in einem nahezu ausweglosen Dilemma, einem Netz aus Lügen. Das ist die Ausgangslage der Komödie “Schönes Schlamassel” am Mittwoch um 20.15 Uhr im Ersten.

Wolfgang Murnberger (59, “Nichts zu verlieren”) hat diese pointierte Schwindelei inszeniert. Der Regisseur sagt in einem ARD-Statement: “Bei diesem Film hat mich ganz besonders die Geschichte in ihrer Einfachheit interessiert, es ist ein Kammerspiel von vier Figuren. Eigentlich geht es ja “nur” um eine vermeintlich kleine Lüge beim ersten Kennenlernen, einer der Männer gibt vor, Jude zu sein, um bei einer der beiden Frauen zu landen, die eine echte Philosemitin ist.”

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Der Film darf auch als Geburtstagsgeschenk an Dieter Hallervorden betrachtet werden, der am kommenden Samstag 85 Jahre alt wird und nun – ähnlich wie in “Chuzpe – Klops braucht der Mensch!” – einmal mehr mit verschmitztem Humor und ernsten Einlagen zu überzeugen vermag. Er spielt den gewitzten jüdischen Autor Schlomo Wisniewski, der in einem Seniorenheim wohnt und den Anne nach Kräften unterstützt, auch wenn er ganz schön schwindelt. Überhaupt wird es mit der Wahrheit in dieser Komödie nicht so genau genommen – bis sie am Ende natürlich doch ans Tageslicht kommt, und zwar mit Karacho.

Die meisten Wortwechsel sind frisch und schnell, nur stellenweise wirken sie etwas konstruiert. So macht der temporeiche Film, der schöne spätherbstliche Bilder bietet, viel Spaß. Gerade aufgrund ungeahnter Verwicklungen und verdrehter Wahrheiten vermag diese Komödie ganz gut zu überzeugen, auch wenn der Anfang etwas holprig und sie insgesamt etwas vollgestopft wirkt. Hinzu kommen viel Ironie, Witz, eine hübsche Musik und so mancher Spruch wie “Ein Weg zum Glück ist das Weglassen des Jammers”.

Die vier charmanten Hauptdarsteller sind mit großer Leichtigkeit und Spielfreude dabei – während Verena Altenberger in ihrer ersten romantischen Komödie zu sehen ist, spielten Lisa Wagner und die beiden männlichen Kollegen bislang oft in Krimis mit. Entstanden ist ein vergnügliches Verwirrspiel, bei dem auf lockere Weise etwas Geschichte vermittelt wird, so manches Vorurteil entlarvt und diverse jüdische Traditionen vorgestellt werden – bis nach allerlei Liebeswirrungen alle glücklich sind.

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