‘The Third Day’: David-Lynch-Flair in zweieinhalb Akten

Allein unter verschrobenen Fremden, einem mysteriösen Geheimnis auf der Spur… Die Prämisse der Sky- und HBO-Coproduktion “The Third Day” mag nicht neu sein, sehr wohl aber deren Umsetzung. Denn die neue Miniserie mit Jude Law (47) und Naomie Harris (44, “James Bond 007: Skyfall”) setzt zwar auf einen Handlungsort, ist aber auf zwei zeitlich getrennte, inhaltlich jedoch miteinander verbundene Akte aufgeteilt. Wobei, eigentlich eher zweieinhalb, denn auch eine zwölf Stunden lange Live-Installation gehörte bei der US-Premiere von “The Third Day” von September bis Oktober 2020 als Zwischenakt dazu.

Packend oder prätentiös? Das können die Zuschauer hierzulande ab dem 26. November auf Sky Atlantic in Doppelfolgen (immer donnerstags ab 20:15 Uhr) oder via Sky Ticket und Sky Q auf Abruf selbst entscheiden – wahlweise im englischen Original oder auf Deutsch. Wer sich die Miniserie definitiv einverleiben darf, darauf gibt es schon jetzt die Antwort.

Die Suche nach und die Flucht vor der eigenen Vergangenheit – darum geht es

“Sommer”: Sam (Jude Law) gelangt, nachdem er einem Mädchen das Leben gerettet hat, auf eine isolierte Insel namens Osea Island vor der britischen Küste. Schon kurz nach seiner Ankunft muss er feststellen, dass sich seine zeitnahe Abreise aus mehreren Gründen schwierig gestaltet. Der einzige Weg von der Insel, eine Dammstraße, ist bis auf Weiteres überschwemmt und daher unpassierbar. Zudem scheinen auch die Bewohner des winzigen Eilands etwas mit Sam vorzuhaben. Warum zwingen sie ihn, sich mit seiner eigenen traumatischen Vergangenheit auseinanderzusetzen? Und warum scheinen sie seine Ankunft erwartet zu haben?

“Winter”: Einige Monate sind vergangen. Auch eine Frau namens Helen (Naomie Harris) verschlägt es nun auf die mysteriöse Insel. Gemeinsam mit ihren beiden Töchtern Ellie und Talulah sucht sie dort nach Antworten, wirft aber vor allem Fragen auf. Wie hängt ihr und Sams Schicksal zusammen? Und wird es jemand von ihnen von Osea Island schaffen?

Ein Ort wie gemacht für Mystery

Manchmal liefert die Realität die besten Settings für Fiktion. Die bewohnte Gezeiteninsel Osea Island in Essex, auf der “The Third Day” gedreht wurde, gibt es wirklich, bei Hochwasser ist sie nicht mehr per Auto erreichbar. Der perfekt surreale Ort also für eine surreale TV-Erfahrung, wie sie die Miniserie von Felix Barrett und Dennis Kelly bietet – bei der übrigens Brad Pitt als einer der ausführenden Produzenten fungierte.

Der doppelte Reiz von “The Third Day” ist das Ergründen der Fragen, warum es die beiden Hauptfiguren Sam und Helen zu der gottverlassenen Insel treibt und in welcher Beziehung sie zueinander stehen. Dies über die beiden Kapitel “Sommer” und “Winter” zu tun, bietet neben narrativen Möglichkeiten auch neue Schauwerte – trotz gleichbleibendem Ort der Handlung.

Und mit dem Zwischenprogramm “Herbst”, quasi einem Live-Interludium, sprengte “The Third Day” gar die Grenzen des TV-Formates selbst. Eigentlich als Theaterstück vorgesehen, musste es aufgrund der Corona-Pandemie zu einer Live-Installation umgewandelt werden. Diese bot über zwölf Stunden zusätzliche Einblicke auf das bizarre Treiben auf der Insel, ist aber, hier können Interessierte durchatmen, in keiner Weise notwendig, um die Hauptgeschichte der sechs rund 60-minütigen TV-Folgen nachvollziehen zu können.

David Lynch wäre stolz

Je transzendentaler die Handlung, umso wichtiger als ohnehin schon sind die Hauptcharaktere, um als Anker für den Zuschauer zu dienen. Sowohl Law als auch Harris gelingt dies auf ihre ganz eigene Weise. Was jedoch auch die Gefahr birgt, dass einem die ersten drei Folge wesentlich besser gefallen könnten, als die letzten drei – oder umgekehrt. Als durchgängige Nebendarsteller beider Akte sind vor allem “Phantastische Tierwesen”-Schauspielerin Katherine Waterston (40), “Chernobyl”-Star Emily Watson (53) sowie Charaktermime Paddy Considine (47, “Macbeth”) hervorzuheben.

“The Third Day” verbindet abstrakte Geschehnisse mit skurrilen Figuren und albtraumhaften Horrorelementen: etwas “Twin Peaks” alias Altmeister David Lynch (74) hier, etwas “Midsommar” alias “Horror-Wunderkind” Ari Aster (34) da. Auch Anleihen eines “The Wicker Man” – das Original von 1973, nicht den Goldenen-Himbeeren-Abräumer von 2006 mit Nicolas Cage (56) -, Martin Scorseses (78) “Shutter Island” oder John Carpenters (72) “Die Mächte des Wahnsinns” sind zu erkennen, was die Zielgruppe für “The Third Day” schon recht deutlich hervorhebt. Und für die gilt: Ab nach Osea Island!

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